Entscheidungen bewusst treffen, Silvia Chytil

Was, wenn das alles nur ein Spiel wäre?

Was du jetzt lesen wirst, wird dich möglicherweise vor den Kopf stoßen. Du wirst dir denken, wovon redet die Silvia bitte? Vielleicht geht es dir gerade nicht gut, vielleicht hast du einen schmerzlichen Verlust erlitten oder dein Business, Job läuft nicht so richtig oder du fühlst dich nicht gut, bist krank, müde, ausgelaugt. Oder du schaust in die Welt hinaus und siehst all die Konflikte, den Kummer, Schmerzen, Krankheiten.

Aber vielleicht schaffst du es, das alles mal bei Seite zu legen. Sagen wir mal für 10 Minuten. Danach darfst du dich sofort wieder mit all dem Schrecklichen befassen, das es in der Welt und vielleicht auch in deinem Leben gibt.

Nur für 10 Minuten.

Und das, was hier steht, ist natürlich nicht wahr. Es ist nur ein Gedankenspiel. Und da Gedanken ja frei sind – lass uns eine ganz mutige, rein hypothetische, Frage stellen:

Was wäre, wenn das Leben nur ein Spiel wäre?

Wie komme ich auf diese absurde Idee?

Ich habe mal über den Menschen nachgedacht und mir ist etwas sehr Eigenartiges aufgefallen: Alle lebensnotwendigen Funktionen laufen unbewusst ab. Sie sind außer unserer Kontrolle. Wir können uns nicht dazu entschließen, nicht mehr zu atmen oder den Herzschlag zu stoppen. Ich kann kurz die Luft anhalten, ja, aber sobald es lebensbedrohlich wird, setzt der Automatismus ein und ich schnappe nach Luft.

Alles, was mein Körper zum Überleben benötigt, Hormonhaushalt, Atmung, Herzschlag, Verdauung, Entgiftung u. v. m.., passiert einfach. Ob ich darüber nachdenke oder nicht. Und ich kann nicht eingreifen. Also natürlich kann ich Gewalt anwenden. Ich kann mir mit einem Messer Schmerzen zufügen oder schlimmeres und ich kann mich auch zu Tode hungern. Aber dafür benötige ich schon wirklich viel Kraftanstrengung, damit das passiert. Einfach so geht das nicht.

OK – also alles was wir zum Leben und Überleben benötigen, wird mehr oder weniger im Hintergrund abgefackelt. Wir bekommen es nur mit, weil wir in der Früh wieder aufwachen und offensichtlich noch am Leben sind.

Nur was machen wir dann den ganzen Tag? Und worum geht es eigentlich?

Ums Überleben kann es ja wohl nicht gehen. Denn das regelt das Leben.

Aber worum geht es dann?

Wir können Unternehmen aufbauen und wieder zusperren. Wir können ganz viel Geld ansammeln und wieder alles verlieren. Wir können Bücher schreiben, Musik machen, Bilder malen. Wir können viel essen oder wenig. Wir können uns viel Stress im Job machen oder das Ganze relaxter angehen. Wir können lachend oder grimmig durchs Leben gehen. Wir können uns das Leben wunderschön oder die Hölle auf Erden für uns und unsere Mitmenschen machen.

Einfach so, weil wir Menschen es können. Weil wir die Fähigkeiten dazu haben. Weil wir ja irgendwas den ganzen, lieben Tag machen müssen. Wir können ja nicht nur herumsitzen und zuschauen, wie Leben wächst und gedeiht, ohne unser Zutun.

Wäre uns langweilig, wenn wir nicht ständig glauben würden, dass es um unser Überleben geht? Würden wir uns selbst vielleicht weniger Vorwürfe und uns das Leben nicht mit Perfektionismus schwer machen? Würden wir möglicherweise weniger mit andern Menschen streiten, weil wir wüssten, dass es eigentlich um nichts geht? Gäbe es vielleicht weniger Kriege oder Hungersnöte, weil wir wüssten, dass sich das Leben ums Überleben kümmert und genug für uns alle da ist?

Und ja, es gibt kleine Kinder und Erwachsene, die einfach krank werden und sterben. Ja, das gibt es leider. Ja, das Leben ist nicht perfekt. Nur es hat auch gar nicht den Anspruch darauf. Warum haben wir ihn also?

Das Leben hat nicht den Anspruch perfekt zu sein.
Warum haben wir ihn dann?

Wir glauben wir benötigen X Geld auf der Bank, damit wir gut leben könnten. Wir reden vom „überleben“, wenn es darum geht, genug Aufträge zu erhalten. Wir brauchen ein größeres Haus, stärkeres Auto, mehr Urlaub, einen weiteren Streaming-Dienstleister, das neuere Handy und so viel mehr – weil wir glauben, es ginge um unser Leben.

Aber nein, das tut es nicht. Das Leben hat uns nämlich so ausgestattet, dass wir uns ums Leben im Allgemeinen nicht kümmern müssen. Und stattdessen auf diesem Planeten „herumspielen“ können. Neues ausprobieren, kreative Ideen umsetzen, ganz viel Wissen aneignen. Wir können mit anderen Menschen reden, lachen, Verbindungen eingehen, Freundschaften schließen. Wir sind so kreativ und intelligente Wesen, dass wir uns die Technologie als Unterstützung und weiteren Spaß-Faktor aneignen können. Wir können neue Sachen erfinden, Dinge in die Welt bringen. Wir haben eine Sprache, mit der wir uns verständigen können. Wir haben die Fähigkeit Schallwellen als Musik zu erkennen und können dazu tanzen, mitsingen, uns bewegen.

Es ist tatsächlich unglaublich, was wir Menschen alles können.

Und was tun wir?

… Ok, ich glaube die 10 Minuten sind fast vorbei. Vielleicht sind noch ein paar über und du kannst über das hier nachdenken oder aber du wendest dich einfach wieder dem ernsten Teilen des Lebens zu und kämpfst weiter, mehr oder weniger verbissen, um Erfolg, Anerkennung, Bestätigung, Liebe, Glück, Zufriedenheit, Reichtum, Schönheit, Besitz usw.

Ja, mach nur. Denn keine Sorge! Das Leben kümmert sich weiter um die wirklich lebensnotwendigen und lebenserhaltenden Dinge, während du das Spiel des Lebens spielst – äh, nein falsch – während du den Ernst des Lebens erkannt hast und tapfer weiterkämpfst.

Alles Liebe