Urlaub vom Business Silvia Chytil

Oft ereilt einem das Gefühl, Urlaub und Unternehmertum sind zwei Feinde, die sich soweit wie möglich aus dem Weg gehen. Zusperren? Urlaub? Nein, das geht gar nicht. Wozu auch. Mir macht die Arbeit doch so viel Spaß. Viele übersehen allerdings, dass aus Spaß ganz schnell Frust werden kann. Und dort wo einst Tatendrang und Lust waren, nur noch Zwang, Widerwille und Zweifel herrschen.

Ein wirrer Gedanke

Das erste Mal kam mir dieser eigenartige, wirre Gedanke im Mai. Zuerst nur ganz zögerlich. Dann immer heftiger. Er ließ mich einfach nicht mehr los. „Urlaub vom Business“ dröhnte es immer wieder in meinem Kopf. Urlaub vom Business. Und zwar lange! Sehr lange!

Als ich mich selbständig machte, dachte ich, ein Gefühl wird mich niemals ereilen: Unlust.

Ich war mir so sicher. Denn immerhin war es das, was ich so sehr liebe. Mein eigenes Unternehmen führen. Mit Menschen arbeiten. Coachen.

Und doch war es plötzlich da. Ich wollte nicht mehr in der Früh aufstehen und meine Artikel schreiben. Beim Anblick meiner To-Do-Liste wollte ich am liebsten laut losbrüllen. Und das Wort „Planung“ löste in mir einen depressiven Schub aus. Ich wollte das alles nicht mehr. Eigentlich wollte ich nur mehr schlafen, in die Luft schauen, nichts tun.  Ich wollte Urlaub. Sehr langen Urlaub.

Der Gedanke an Urlaub löste in mir einen tiefen Seufzer aus. Ja, das wäre schön! Im nächsten Augenblick war ich schon wieder tief in meiner Arbeit versunken. Denn einen langen Urlaub – das kann ich mir wirklich nicht leisten!

 

Unbesiegbar

Viele UnternehmerInnen meinen ja, mit dem Zeitpunkt der Unternehmens-Gründung wären sie unbesiegbar und benötigten keinen Urlaub mehr. Und auch kein Wochenende. Auf das alles wird verzichtet. Ein 14 Stunden-Tag ist keine Seltenheit. Und das alles unter dem Deckmantel des Spaßes.

Warum soll ich Wochenende machen, wenn mir die Arbeit doch so viel Spaß macht. Urlaub? Wozu? Ich arbeite wann und wo ich möchte – auch in meinem Urlaub.

Bei mir war es nicht anders. In den ersten 3 Jahren hatte ich insgesamt 2 Wochen Urlaub. Und in dem arbeitete ich. Die letzten sechs Monate hatten durchschnittlich 60 – 80 Arbeitsstunden.

… Es macht ja so viel Spaß!

 

Es machte keinen Spaß mehr

Bis ich im Frühjahr das erste Mal das Gefühl bekam, erschöpft zu sein. Plötzlich machte es gar keinen Spaß mehr. Im Gegenteil, ich empfand meine Arbeit als riesengroße Belastung. Es ging sogar soweit, dass ich ernsthaft darüber nachdachte, alles hinzuschmeißen und mir wieder einen Job zu suchen. Dort hatte ich wenigstens eine gesetzliche 40-Stunden Woche und 5 Wochen Urlaub im Jahr. Plötzlich war ich da wieder drinnen – im vielzitierten „Hamsterrad“. Und ging der Frage nach, ob das Selbständige das Richtige ist.

Der Gedanke nach Urlaub nistete sich in mir ein. Dieses Verlangen, dieser Wunsch wurde immer größer und größer. Einige Male versuchte ich diesen Gedanken beiseite zu wischen. Aber das ließ er nicht zu. Oft tauchte er mitten in der Nacht auf. Oder wie aus dem Nichts, während ich mit meinem Hund spazieren ging. Ein kleines Monster, das unentwegt in meinem Gehirn trommelte und schrie „Urlaub, Urlaub, Urlaub“.

 

Urlaub vom Business

So kam es, dass ich mich Mitte Juni dazu entschloss, Urlaub vom Business zu machen. Zuerst mal für 2 Wochen. Das ist ok, dachte ich mir. 2 Wochen Urlaub kann wirklich jeder machen, das muss drinnen sein.

Nach diesem 2 Wochen – hmmm, die Lust zu arbeiten hielt sich nach wie vor in Grenzen. Ok. 3 Wochen. Ist dann halt mal ein längerer Urlaub. Und in 3 Wochen wird schon nicht die Welt zusammenbrechen.

Nun, was soll ich sagen. Nach 3 Wochen war mir klar – das wird tatsächlich ein längerer Urlaub. Und zwar solange, bis ich wieder Lust auf arbeiten habe…

Anfang Juli fasste ich all meinen Mut zusammen und postete es offiziell auf Facebook. Ich bin dann mal weg. Und wann ich wiederkomme, ließ ich offen.

Denn ich wusste es ja selbst nicht. Ob, wann und wie ich wieder zurückkommen werde. Ein wenig war es wie ein Experiment. Ich wollte wissen, ob diese Unlust nur ein Phänomen der Überarbeitung war oder ob ich tatsächlich nicht mehr wollte.

Ich wartete auf ein „Zeichen“. Auf eine Eingebung. Ich wartete einfach auf das, was da so kommen mag. Wohin mich meine Reise trieb. Ich hatte kein Ziel. Weder ein äußerliches, das heißt, ich fuhr nicht weg, sondern blieb die ganze Zeit zu Hause. Noch hatte ich ein innerliches Ziel. Ich ließ mich einfach treiben.

Dieses Treiben dauerte insgesamt sieben Wochen. Ja, du hast richtig gelesen 7 Wochen! Nie im Leben hätte ich mir gedacht, dass ich es mir jemals gönnen würde, einfach 7 Wochen Urlaub zu nehmen.

 

7 Wochen Urlaub

Vielleicht denkst du dir jetzt auch gerade, sieben Wochen, das kann ich mir NIE leisten. Sieben Wochen einfach nichts tun – Never.

Ich schränke etwas ein. Meine, bereits vereinbarten Kundentermine habe ich eingehalten. Jedoch sonst alles andere aus meinem Terminkalender verbannt. Und keine neuen Termine mehr vereinbart.

Also sieben Wochen. Du meinst, das geht nicht? Du könntest das nie tun.

Nein, ich kann nicht …

Nein, ich kann nicht, weil ich sonst kein Geld verdiene.
Nein, ich kann nicht, weil ich sonst in Vergessenheit gerate.
Nein, ich kann nicht, denn solange ist man nicht auf Urlaub.
Nein, ich kann nicht, das ist total unprofessionell.
Nein, ich kann nicht, was denken sich dann die anderen.

Kommen bei dir diese Gedanken auf?

Zumindest waren das anfänglich meine „Nein – das geht doch nicht“ – Argumente. Wahrscheinlich noch eine ganze Reihe mehr, an die ich mich heute nicht mehr erinnere.

Soll ich dir was sagen? Es geht! Es geht wirklich. Denn ich habe es gemacht. Und wenn ich es kann, kannst du das auch :-). Wenn du denn möchtest. Vielleicht ist ein wenig Organisation nötig. Oder finanziell kürzertreten. Oder andere um Hilfe bitten, damit sie etwas übernehmen können. Aber es geht!

 

Mein kleines Monster zwang mich zur Ruhe

Wie hat sich das bei mir abgespielt. Das kleine Monster hat mich tatsächlich zu Stillstand und Ruhe gezwungen. In der Früh bin ich aufgewacht und hatte erst mal keinen Plan. Stand auf, ging mit meinem Hund spazieren, frühstückte und wartete, zu was ich Lust hatte. Klingt wie ein Luxus-Leben. Naja, anfänglich war es das nicht, weil mich das schlechte Gewissen oft genug plagte. Und ich den Urlaub nicht ganz „freiwillig“ machte. Immer wieder kamen die Aussagen, ich kann nicht, weil …

Zusätzlich der Gedanke: was ist, wenn ich nie wieder Lust bekomme, was mach ich dann?

Mit der Zeit gewöhnte ich mich jedoch daran und letztendlich genoss ich es.

Und es tat sich einiges bei mir. In stillen Phasen, wo ich nur auf der Terrasse saß und in die Luft schaute, hatte ich einige Erkenntnisse.

7 Erkenntnisse in 7 Wochen

Meine Erkenntnisse in diesen sieben Wochen:

1. Auch Kriminalromane machen Spaß.
2. Das Leben ist zu kurz, um immer nur einem Ziel nachzujagen.
3. Sport hält nicht nur fit, sondern macht auch unheimlich viel Spaß (Einen großen Dank an Beatrice Drach).
4. You can control your mind, but you can´t control the world.
5. Der Sinn des Lebens: leben.
6. Mein Ziel: ein erfülltes Leben leben.
7. Ich bin es leid, immer noch besser werden zu müssen.

Nun diese Erkenntnisse kamen nicht über Nacht. Du denkst vielleicht, da ist ja nicht wirklich was weltbewegendes dabei. Vielleicht hast du recht. Für mich waren sie allerdings weltbewegend. Denn sie haben mir gezeigt, was und wohin ich möchte.

Und mit diesen wundervollen Erkenntnissen bin ich nun wieder da. Aus meinem sehr langen Urlaub zurück gekehrt. Voller Tatendrang, voll neuer Ideen und voller Lust aufs arbeiten. Es kann wieder losgehen :-).

Wie ist es bei dir? Machst du Urlaub? Langen – ganz langen Urlaub?

Erzähl mir davon. Ich freue mich auf einen Kommentar von dir.

Genieße deinen Urlaub. Genieße dein Leben. Und geh deinen Weg!

Bis bald wieder.
Deine Silvia