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zeit - schwebebalken

„Zeit managen“, „Zeitdiebe“, „Zeit sparen“ … alles Begriffe, die uns suggerieren, dass Zeit eine Ware ist, die wir managen und organisieren, auch einsparen können oder die uns sogar gestohlen werden kann.

Aber es gibt nicht „zu wenig“ Zeit. Das würde ja bedeuten, dass auf dieser Welt Menschen leben, die mehr als 24 Stunden zur Verfügung haben und dass ihre Stunden mehr als 60 Minuten umfassen!

Das sind Denkfallen, in die wir tappen. Wir lassen uns weismachen oder besser: reden uns ein, dass das moderne Leben genauso aussieht. Beschäftigtsein ist in und klingt unheimlich wichtig.

Mit einer Vielzahl von Verantwortlichkeiten und Aufgaben betraut zu sein, ist in Mode gekommen. Hollywood-Blockbuster verehren viel beschäftigte Manager, die spät abends, mit einem Plastikbecher in der Hand, ein Taxi heranwinken (vorrangig im strömenden Regen). Unter dem Arm quillt ein Stapel Papiere hervor, der zuhause noch dringend durchgearbeitet werden muss.
Was wir selten sehen, sind die Auswirkungen von Workoholismus: Einschlaf- und Durchschlafprobleme, ständiges Grübeln, nicht abschalten und das Leben nicht genießen können, das Gefühl, ständig alle Bälle auffangen zu müssen, bis hin zu Magen- oder Gallenproblemen, schmerzhaften Verspannungen, Tinnitus …

Kein Mensch ist so beschäftigt, dass er nicht die Zeit hat, überall zu erzählen, wie beschäftigt er ist. (Robert Lemke)

Zeit ist ein kostbares Gut

Zeit ist nicht greifbar. Aber sie ist sehr wertvoll.

Versuchen Sie bei einem Vorstandsdirektor einen Termin zu bekommen. Wahrscheinlich keine Chance. Warum? Weil er sooo viel zu tun hat. Weil er seine wertvolle Zeit nicht mit jedem teilt. Und ergattern Sie doch einen Termin, bekommen Sie wahrscheinlich fragende, vielleicht sogar bewundernde, Blicke: „Wow, für dich nimmt er sich Zeit?!“

Noch nie hatten Menschen so viel Zeit wie heute. Klick um zu Tweeten

Die Lebenserwartung ist in Österreich und Deutschland mittlerweile auf circa 80 Jahre gestiegen. Die Normalarbeitszeit beträgt in den meisten Branchen unter 40 Stunden. Und doch beklagen sich viele Menschen über zu wenig Zeit.
Auch ist die Zeit des einen mehr wert als die eines anderen. Oder würden Sie sich trauen, umgekehrt die Anfrage des Vorstandes mit „Ich habe keine Zeit“ zu quittieren?

Was bedeutet „Ich habe keine Zeit“ ?

Wenn ein Kollege Sie um eine Gefälligkeit bittet und Sie antworten mit „Ich habe keine Zeit“ – was genau meinen Sie damit?

Denn wenn Sie für diese Gefälligkeit keine Zeit haben, wozu haben Sie Zeit? Was machen Sie stattdessen? Was ist in diesem Augenblick für Sie wichtiger?
Bedeutet „Ich habe keine Zeit“ nicht eher „Ich habe keine Lust“? Nur ist die erste Antwort vermeintlich höflicher und deshalb akzeptierter. Der andere fühlt sich nicht vor den Kopf gestoßen, sondern ist vielleicht sogar beeindruckt und denkt sich: „Wow, die muss aber sehr wichtig sein, wenn sie so viel zu tun hat.“
Sehr beschäftigt sein bedeutet wichtig sein. Was denken Sie über jemanden, der sagt: „Ja, klar, gib her, ich hab viel Zeit“. Wahrscheinlich: „Aha, die hat nichts zu tun, ist also wahrscheinlich nicht besonders wichtig.“

Zeitfenster

Früher wurde ich regelmäßig nach Zeitfenstern gefragt, jenen seltenen Momenten, für die in meinem Terminkalender noch keine Meetings eingetragen waren. Und ehe ich mich versah, fand sich in meiner Mailbox schon eine neue Terminanfrage.

Denn dieses Zeitfenster bedeutete, dass ich dann „nichts zu tun hätte“, mir womöglich sogar langweilig wäre oder ich einfach nur aus dem Fenster schaute. Es erfasste nicht, dass ich unter Umständen gerade an einem Konzept arbeitete, E-Mails beantwortete oder mich mit meinen MitarbeiterInnen unterhielt.
Ich konnte mich also mit Terminen bombardieren lassen oder aber ich sorgte dafür, dass es in meinem Kalender keine solchen Zeitfenster mehr gab, sondern stattdessen Eintragungen wie „Zeit zum Arbeiten“. Auf diese Weise bekam ich zwar keine Anfragen mehr, saß aber dennoch vor einem übervollen Terminkalender mit dem unangenehmen Gefühl, nun überhaupt keine Zeit mehr zu haben.

Zeitdiebe

Auf einer Internetseite habe ich gelesen: „Auf welchen Namen diese Störenfriede auch immer hören: Zeitfresser, Zeitdiebe, Zeitfallen … eines ist ihnen immer gemeinsam: Sie lauern überall und klauen Dir Deine wertvolle Zeit.“ (Quelle: http://www.poeschel.net/zeit/zeitfresser.php)

Die Bezeichnung „Dieb“ impliziert, dass jemand mir meine Zeit stehlen kann und dass ich dem hoffnungslos ausgeliefert bin. Aber stimmt das tatsächlich? Wie schaffen es andere Menschen, mir meine Zeit zu stehlen? Was genau tun sie? Und vor allem, wie tun sie das?
Wir müssen uns bewusst werden, dass wir selbst für unsere Zeiteinteilung verantwortlich sind. Wir bestimmen, wie voll unser Terminkalender ist, welche Aufgaben wir übernehmen und wie viel Zeit wir dafür aufwenden. Natürlich haben wir alle Chefs oder Kunden, die uns sagen, dass wir müssen. (Das mit dem Müssen ist ja auch noch mal so eine Sache … Aber dazu gibt es in Kürze einen eigenen Artikel.) Diese Arbeiten sind jedoch nur ein Bruchteil von dem, was wir sonst noch alles tun, womit wir uns beschäftigen und mit welchen Tätigkeiten wir uns „zu beschäftigt“ machen.

Finger weg vom Zeitmanagement

Es stimmt, ich bin überzeugt davon, dass Ordnung und Planung Stabilität und Rhythmus in den Alltag bringen. Allerdings halte ich nichts von Seminaren oder Büchern, die sich zur Aufgabe gemacht haben, unser aller Zeit zu managen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Bei mir lösen volle Terminkalender, genau geplante Zeiteinheiten und mächtige To-do-Listen Schweißausbrüche aus und ich spüre sofort Abwehr. Ich weiß ja, dass ich bestimmte Dinge erledigen muss – aber wenn mich auch noch der Terminkalender dazu ermahnt, dann mag ich nicht :-).

Sobald wir versuchen unsere Zeit zu managen, sind Enttäuschung und Scheitern vorprogrammiert. Ich kenne keine Person, die es regelmäßig schafft, ihre Termine in der To-do-Liste akribisch abzuarbeiten, alle Verabredungen einzuhalten und alle Aufgaben nach Plan zu erledigen.

Besser – Zeit leben

Höchste Zeit, dass wir unsere Zeit nicht managen sondern leben!  

Damit meine ich natürlich nicht, einfach in den Tag hinein leben, keine Termine mehr einhalten und nur mehr das tun, was gerade Spaß macht.
To-do-Listen und Terminpläne sind nützliche Werkzeuge dafür, Ordnung und Übersicht in die täglich anfallenden Aufgaben zu bringen. Und alles Aufgeschriebene befreit unser Gedächtnis und wir haben freie Ressourcen für andere Tätigkeiten. (Weitere Informationen für eine To-do-Liste, die Sie bei Ihren Aufgaben unterstützt, finden Sie hier: https://silviachytil.com/schwebebalken/ordnung-dieser-smarte-fahrplan-hilft-dabei/)
Allerdings ist es illusorisch, die Zeit verändern zu wollen. Viel sinnvoller und langfristig wirkungsvoller ist es, uns selbst zu ändern und unseren Umgang mit unserer Zeit. Wir alle haben 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Wie wir die füllen, bestimmen wir selbst.

Hinterfragen Sie Ihre Einstellung zur Zeit

  • Wenn Sie an Zeit denken, welche Redewendung, welches Zitat fällt Ihnen spontan dazu ein?

    „Eile mit Weile“

    „Stillstand ist Rückschritt“

    „Zeit ist Geld“

    „Die Zeit heilt alle Wunden“

    „Kommt Zeit, kommt Rat“

  • Welches Bild erscheint Ihnen bei dem Wort Zeit? Haben Sie eher einen Mangel an Zeit oder genug davon?

    Meine Zeit ist immer knapp. Ich darf keine Zeit verlieren. Ich muss Zeit einsparen.
    Ich habe genug Zeit. Die Zeit ist meine beste Freundin, sie kommt jeden Tag wieder.

  • Wie drücken Sie Zeit in Ihrem Sprachgebrauch aus?

    Zeit managen, genießen, einholen, sparen, vertreiben, vergeuden, verlieren, gewinnen, verschenken

Ein Zeit-Experiment:

Wenn wir Zeit managen, sparen, einholen können, dann können wir sie doch auch sammeln.

Nehmen Sie sich eine Schachtel und sammeln Sie Stunden und Minuten.

Jedes Mal, wenn Sie in der Zeitung etwas über Zeit lesen oder im Fernsehen, Radio oder sonstwo hören, sammeln Sie diese Minuten und Stunden. „Der Zug nach Wien hatte 30 Minuten Verspätung“, „Die A1 war für 2 Stunden“ gesperrt“, „Barack Obama hielt eine 20-minütige Rede“ …  Schneiden Sie das Gelesene aus oder schreiben Sie das Gehörte auf ein Blatt Papier.

Und jedes Mal, wenn Sie in Zukunft Zeit brauchen – für sich, für Ihre Kinder, für Ihre Freunde, für Ihr Hobby – und Sie meinen gerade keine zu haben, dann nehmen Sie sich einfach ein paar Minuten oder Stunden aus Ihrer Schachtel.

So einfach geht das. Plötzlich haben Sie Zeit für Dinge, die Ihnen wirklich wichtig sind.

FAZIT:

Wie wir unsere Zeit verbringen, bestimmen wir. Gehen Sie eigenverantwortlich und wertschätzend mit Ihrer Zeit um.

Zu beschäftigt sein ist nicht in, sondern verkürzt auf lange Sicht Ihre Lebens-Zeit.

Leben Sie Ihr Leben

Silvia Chytil

Weiterführende Informationen – Zeitberatung: (http://timesandmore.com/)

Blogparade – Viele weitere Artikel zum Thema „Zeit“: http://emotures.de/allgemein/7-wertvolle-gedanken-ueber-die-zeit-die-du-kennen-solltest/

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