Zerreiß deinen Plan B! Er ist dein größter Feind.

Plan B Silvia Chytil

Sehr gerne tragen wir einen Plan B mit uns spazieren. Er verleiht uns Sicherheit und zeigt uns Alternativen auf. Für kurze Zeit ist so ein Notfallplan auch wirklich eine feine Sache. Jedoch irgendwann wird er zu unserem größten Feind. Er hält uns davon ab, unsere Ziele zu erreichen. Er lässt uns glauben, dass es unmöglich ist. Mehr noch. Er prophezeit uns, dass wir scheitern werden.

Hast du einen Plan B in der Schublade? So für alle Fälle. Sicher ist sicher. Man weiß ja nie, was passiert.

Aber soll ich dir was sagen?

Den solltest du los werden. Ganz schnell. Zerreiß ihn. Verbrenn ihn. Was auch immer. Hauptsache, er verschwindet.

Warum?

Als ich mich selbstständig machte, hatte ich auch einen Plan B. Ich probiere es einmal, dachte ich mir. Klappt es nicht, kann ich mir ja jederzeit wieder einen Job suchen. Der Plan B war damals mein Sprungbrett. Er verlieh mir Sicherheit und war wohl einer der Gründe, warum ich überhaupt diesen Schritt wagte. Denn sollte es nicht funktionieren, hätte ich eine Alternative.

So weit so gut.

Nur solange ich diesen Plan B hatte, passierte gar nichts. Ich trat auf der Stelle und bewegte mich keinen Schritt weiter.

Willst du wissen warum?

Weil ich lange Zeit eine bestimmte Sache nicht tat.

Eine Stimme im Ohr

Vor dem Schlafengehen höre ich sehr gerne Hörbücher. Es entspannt mich und bringt mich auf andere Gedanken. Derzeit läuft bei mir gerade „Einfach glücklich sein“ von Pierre Franckh. Und als ich vor kurzem so vor mich hinhörte, eigentlich knapp vor dem Einschlafen, wurde ich plötzlich hellwach. Die Stimme in meinem Ohr, ließ mich aufhorchen. „Du musst dich committen!“. Ehrlich gesagt wusste ich im ersten Moment gar nicht, warum mich diese Aussage so traf. Also hörte ich in mich hinein und forschte. Und da war es – ja genau, du musst dich committen!

Weil es nämlich sonst nichts wird.

Nichts mit einer Beziehung, nichts mit einem Job, nichts mit einem Unternehmen.

Mit gefällt das Wort „commitment“ sehr gut. Für mich gibt es keine wirklich passende Übersetzung. Verpflichtung, Engagement, Einsatz, Bindung, Bekenntnis. Teilweise klingen die deutschen Begriffe auch negativ. Was noch am ehesten hinkommt, ist des Gegenteil. Nämlich wenn wir „without commitment“ sind. Dann bleiben wir unverbindlich. Wir halten uns ein Hintertürchen offen. Haben noch einen Plan B in petto.

Wozu benötigen wir einen Plan B?

Was bedeutet es, wenn wir ein Leben mit Plan B führen. Nehmen wir meinen geliebten Schwebebalken.

Möchte ich über einen Schwebebalken gehen, fühle mich aber noch unsicher und wackelig, dann wäre Plan B, wieder abzusteigen und auf dem Boden zu bleiben. Ich muss ja nicht über den Schwebebalken gehen.

Habe ich aber keinen Plan B, ja, dann muss ich über den Schwebebalken drüber. Koste es was es wolle. Also werde ich mir Wege suchen, wie ich diese Hürde meistern kann. Ich könnte mir zum Beispiel den Schwebebalken am Anfang niedriger einstellen, damit die Distanz zu dem gefährlichen Boden nicht zu hoch ist. Und dann Schritt für Schritt mutiger werden und mich in die hohen Lüfte wagen. Oder ich könnte mir eine helfende Hand suchen, die mir Stabilität und Balance gibt, bis ich alleine drüber gehen kann. Aber ich werde drüber gehen. Früher oder später. Ich werde es tun! Ich werde es TROTZDEM tun. Trotz aller der Unsicherheiten, Zweifel, Ängste.

Commitment bedeutet sich zu entscheiden. TROTZDEM. Trotz aller Unsicherheiten, Zweifel, Ängste. Klick um zu Tweeten

Ein Plan B hat zwei Funktionen:

  • Er gibt uns Sicherheit
  • Er zeigt eine Alternative auf

Als kurzfristige Sicherheit ist ein Plan B definitiv eine sinnvolle Sache. Problematisch wird es, wenn wir zulange an dieser Ausweichmöglichkeit festhalten.

Plötzlich ist Scheitern eine Option

Mein Plan B hielt mich lange Zeit davon ab, wirklich durch zu starten. Ich probiere es einfach mal. War ja auch egal. Denn was soll schon passieren? Und genauso war es auch. Es passierte nichts. Zumindest nichts, was mich und mein Business weiterbrachte.

Denn ich probierte mal dieses, dann mal jenes. Und sobald mir leichter Wind entgegenwehte, schwenkte ich um und versuchte etwas Neues. Und bekam damit prompt die Bestätigung, dass ich unbedingt einen Plan B benötige. Denn offensichtlich schaffte ich es nicht. Self-fulfilling prophecy.

Ein Plan B impliziert scheitern. Er ermöglicht überhaupt erst den Gedanken, dass ein Vorhaben nicht gelingen könnte. Denn wann überlegen wir uns einen Ersatzplan? Wenn wir davon ausgehen, scheitern zu können. Wenn wir nicht felsenfest davon überzeugt sind, dass der Weg, den wir einschlagen wollen, der Richtige ist und uns ans Ziel führt. Erst dann und nur dann, benötigen wir eine Alternative.

Dein Committment ist der Startschuss

Bei mir war es ein Gespräch mit einer Kollegin. Ich sagte ihr, dass ich glaube, sich ein Business aufzubauen, benötige zwei Jahre. Schaffe ich es bis dahin nicht, war es halt nicht das Richtige für mich.

„Naja“ sagte sie, „dann dauert es bei dir halt zwei Jahre“.

„Wie meinst du das?“ Erwiderte ich.

Naja, meinte sie, wenn du glaubst, dass du zwei Jahre benötigst, dann benötigst du auch zwei Jahre. Das ist dann genauso in deinem Kopf abgespeichert. Und wenn du noch dazu einen Plan B hast, dann wirst du es auch nicht in diesen zwei Jahren schaffen.

Du kannst dir vorstellen, dass ich anfangs etwas verdutzt dreinschaute. Mir aber nach und nach ein Licht aufging.

Natürlich!

Ein Notfallplan hält uns davon ab, alles, aber wirklich auch alles zu versuchen, damit es klappt. Dass wir all unsere Energie in diese eine Sache stecken. Und nur in diese EINE Sache. Dass Scheitern gar nicht erst am Plan steht.

Verzichten wir auf einen Plan B und committen wir uns voll und ganz zu einer Sache, dann

  • versuchen wir alles, um unser Ziel, unseren Plan A, zu erreichen,
  • lassen wir uns von Hindernissen und Hürden nicht abhalten,
  • gehen wir mutig Schritt für Schritt weiter,
  • holen wir uns Unterstützung und Hilfe, wenn wir nicht mehr weiterkommen,
  • entscheiden wir uns zu 100 % für diese eine Sache.

Ich habe mich irgendwann zu meinem Business committet. Einen Plan B habe ich nicht mehr. Das war wohl auch die Zeit, wo ich alles gab und damit auch sehr viel zurückbekam. Und es war der Startschuss für meine eigentliche Selbständigkeit und damit hat sich alles verändert. Denn ohne Ersatzplan führte ich meine gesamte Energie meinem Business zu. Und wie das halt so ist. Wohin wir unsere Energie und Aufmerksamkeit leiten, dort beginnt es auch zu wachsen.

Wie sieht es bei dir aus?

Hast du dich schon voll und ganz zu dir und deinem Business committet oder betreibst du es noch auf Sparflamme und mit Plan B? Gehst du deinen Weg, tust du das, wofür du brennst? Oder verzichtest du darauf oder tust es nur halbherzig, weil du Sicherheit brauchst und Angst vor dem Scheitern hast? Da muss es auch nicht um ganz große Sachen gehen, wie das eigene Business. Es ist vielleicht ein Projekt, das nur mit halber Energie ausgeführt wird. Weil es ja noch den Notfallplan gibt. Oder eine Idee, die nicht auf den Boden gebracht wird. Weil es gibt ja immer noch eine Alternative.

Ich weiß, dass es nicht leicht ist, Plan B aufzugeben. Wir halten daran fest, als ob unser Leben davon abhinge. Oder glauben, wir wären verloren, gefangen, zum Scheitern verurteilt, wenn wir keine Ausweichmöglichkeit hätten.

Allerdings ist genau das Gegenteil der Fall. Der Ersatzplan hält dich fest. Er lässt dich nicht loslaufen und alles geben. Er ist wie eine Fessel, die dich am Gehen behindert. Er suggeriert dir, dass du es nicht schaffen könntest. Dass du nicht gut genug bist und ihn daher unbedingt brauchst.

Wirf deinen Plan B über Board. Verbrenne ihn. Zerreiße ihn in tausend kleine Stücke. Denn du brauchst ihn nicht. Du bist gut genug. Du schaffst das. Du musst dich nur zu deinem Traum, deiner Vision, deiner Idee committen.

Und dann tu es. TROTZDEM!

Ich wünsche dir viel Mut und Erfolg mit deinem Plan A!

Alles Liebe

Silvia

P.S. Hast du einen Plan B? Wozu brauchst du ihn? Hinterlasse mir doch einen Kommentar unter dem Artikel. Ich freue mich von dir zu lesen.

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2017-03-11T19:55:29+00:00

5 Comments

  1. Barbara Drucker 24. April 2016 at 11:31 - Reply

    Liebe Silvia,

    Auch ich mag das Wort Committment (für mich ist es leidenschaftliche Hingabe, bewusstes Einlassen und uneingeschränktes Bekennen zu etwas/jemandem)! Und ich denke, dass du recht hast, ein Plan B bremst uns. Dein Artikel ruft bei mir aber noch ein anderes Bild auf und das klingt nun viel brutaler und ehrlicher: der Point of no return. Wenn ich ihn überschreite, dann geht es nur mehr vorwärts, alles andere würde die Existenz vernichten.

    Ja, der Plan B hält uns zurück wie ein Gummiseil, auch wenn wir noch so drauflos stürmen. Aber bevor wir ihn zerreißen, sollten wir sicher sein, dass wir Plan A wirklich, wirklich, wirklich wollen. Denn auch Plan A impliziert die Möglichkeit des Scheiterns. Wir überschreiten den Point of no return nicht, weil ein Scheitern nicht möglich wäre, sondern weil der Plan B einfach keine verlockende Option mehr ist. Ich will meinen Plan B nicht zerreißen, sondern ich will den Sog von Plan A so stark spüren, dass ich tief durchatme und sage „Alles oder nichts.“ Und dann den Schritt machen, der alles verändert.

    Liebe Grüße
    Barbara

    • Silvia Chytil, M.Sc. 24. April 2016 at 12:06 - Reply

      Liebe Barbara,

      du hast vollkommen recht! Plan A birgt genug Risiken in sich. Es heißt absolut nicht, dass ich, kaum entscheide ich mich, alles nur noch rosarot wird. Für mich bedeutet es, bereit sein, diese Risiken in Kauf zu nehmen und eben TROTZDEM – trotz aller Ängste, Gefahren, Unsicherheit, in eine Richtung zu gehen.
      Ja, so wie du schreibst, tief durchatmen und „Alles oder nichts“. Und den Schritt tun, der alles verändert :).

      Danke vielmals für deine Gedanken!

      Alles Liebe
      Silvia

  2. Sonja Damerau 27. April 2016 at 21:51 - Reply

    Ja der Plan Den hab ich tatsächlich umso mehr, da Plan A noch nicht ganz klar ist. Danke dir Silvia mich zerfetzen grad die Richtungen wo ich meine Energie hinsteck.Ich freu mich schon auf unser Gespräch bis Montag.
    lg Sonja

    • Silvia Chytil, M.Sc. 27. April 2016 at 22:19 - Reply

      Liebe Sonja,
      ja, das verstehe ich. Bin mir aber sicher, Plan A wird für dich auch bald sehr klar werden! :-).

      Alles Liebe und bis Montag :-).
      Silvia

  3. […] die verschiedenen Alternativen einer Entscheidung gegeneinander abzuwägen, gibt es verschiedene Methoden. Mit solchen Methoden […]

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