Wenn du die "Wie-Frage" stellst, hast du wahrscheinlich ein ganz anderes Problem

Wenn du die „Wie-Frage“ stellst, hast du wahrscheinlich ein ganz anderes Problem

Derzeit spiele ich sehr intensiv mit dem Gedanken, einen Podcast zu starten. Eigentlich trage ich diese Idee schon seit Monaten mit mir spazieren. Nur: WIE mache ich das? Also setze ich mich vor meinen Computer und tippe: Wie starte ich einen Podcast? Ah – über 891000 Ergebnisse. Da sollte ich doch die passenden Antworten finden.

Die ersten Einträge sind:

  • Podcast Anleitung in 7 Schritten
  • WikiHow für deinen eigenen Podcast
  • Wie du noch heute deinen Podcast erstellen kannst
  • Podcast starten: Die ultimative Anleitung für Anfänger
  • Podcast erstellen: Die Komplett-Anleitung für Anfänger

Nach circa 2 Stunden surfen, brummt mir der Kopf. Ich erfahre, was ein Podcast ist und wie ich ihn vermarkten kann. Welche Technik ich brauche und welche Vorteile er für mich hat. Hmmm, das dürfte wirklich ein sehr großes Thema sein. Vielleicht kaufe ich mir doch lieber einen Kurs? Oder buche eine Beratung?

Denn eine Frage hat sich nach wie vor für mich nicht beantwortet: WIE mache ICH einen Podcast.

Ich bin mir ganz sicher, dieses oder ein ähnliches Szenario hat sich schon hunderte Mal in deinem Kopf und vor dem Computer abgespielt. Wir wollen etwas tun, wissen nicht wie und fangen zum Suchen an. Und der Zeiger dreht sich und dreht sich und dreht sich. Irgendwann sind Stunden im Nirwana verschwunden und wir wissen immer noch nicht „Wie“ wir es tun sollen.

Aber stimmt das überhaupt?

Wissen wir tatsächlich nicht WIE es geht?

Denn wenn wir ganz ehrlich mit uns sind: Wir wissen ganz genau WIE und WAS wir tun sollen. Beim podcasten ist es ziemlich einfach: Aufnahmegerät in die Hand nehmen und auf aufnehmen drücken.

Aber auch andere Fragen sind schnell beantwortet: Wie kann ich abnehmen? Weniger essen! Wie kann ich fitter werden? Mehr Sport betreiben! Wie kann ich sichtbarer werden? Deine Botschaft in die Welt tragen!

Als ich vor vier Jahren mit dem bloggen anfing, hatte ich so gut wie nie die Frage „Wie mache ich das?“. Ich habe mich hingesetzt und angefangen zu schreiben. Natürlich kam dann die Frage der Technik. Aber auch da war ganz klar, was zu tun war – nämlich WordPress & Co lernen. Und ja, das hat eine ganze Weile gedauert, aber irgendwann hat ein Blog-Artikel nicht mehr 8 Stunden inklusive Vermarktung gedauert, sondern nur mehr 2 Stunden.

Warum helfen die Wie-Fragen nicht?

Eine Wie-Frage führt uns auf eine falsche Fährte. Denn das eigentliche Problem liegt nicht darin, dass wir nicht wüssten WIE, sondern, dass wir es trotzdem nicht tun!

Welche Frage wäre also sinnvoller?

Warum tu ich nicht das, was ich eigentlich tun möchte?

Diese Frage ist schon viel komplizierter und auch viel unangenehmer. Denn diese wirft uns auf uns selbst zurück. Es ist relativ einfach eine 7-Schritt-Anleitung abzuarbeiten, festzustellen, dass sie nicht funktioniert und dann entweder den Autor oder sich selbst die Schuld zu geben, dass wir versagt haben. Und dann das Thema ad acta legen oder noch mehr Zeit, Geld und Energie investieren.

Aber die Frage „Warum tu ich nicht, was ich eigentlich tun möchte?“ oder auch „Warum erreiche ich nicht, was ich eigentlich erreichen möchte?“ erfordert eine andere Perspektive auf das Thema. Es erfordert eine Innenschau.

Sie verlangt von uns, dass wir ehrlich zu uns sind. Warum esse ich nicht weniger und betreibe mehr Sport? Weil vielleicht das Essen eine Art Belohnung für mich ist und ich beim Sport Angst vor Schmerzen habe. Das war bei mir sehr lange der Fall. Früher hatte ich starke Rückenschmerzen und immer, wenn ich angefangen habe, mehr Sport zu betreiben, verschlimmerten sie sich. Also habe ich aufgehört, Sport zu betreiben, weil ich diese Angst vor den Schmerzen in mir trug. Irgendwann legten sich zwar die Schmerzen, die Angst blieb aber nach wie vor.

Das diese Gedanken jedoch reine Konditionierung war und nichts mehr mit der heutigen Realität zu tun hatte, konnte ich erst erkennen, als ich mich nicht mehr fragte „Wie“ sondern „Warum“.  Die Frage „Warum betreibe ich nicht mehr Sport“ trieb mich in eine neue Richtung und ich konnte sehen, dass ich einem Glauben nachhing, der heute nicht mehr wahr ist.

Natürlich kann es im Business sein, dass am Anfang immer noch Antworten kommen, wie „Ich weiß nicht, wie die Technik funktioniert oder weiß generell nicht, wie das Ganze funktioniert.

Aus meiner Sicht sind das aber in den allermeisten Fällen reine Ablenkungsmanöver unseres Verstandes. Er lässt sich nicht so gerne in die Karten schauen und gibt sehr ungern zu, dass wir eigentlich verunsichert sind oder Angst haben. Da doch lieber die Technik oder Unwissenheit vorschieben. Das können wir uns und anderen leichter verkaufen.

Nun, wenn wir ganz ehrlich zu uns sind und eine Antwort, wie „Ich bin unsicher, und glaube, dass ich das nicht schaffe“ erhalte, dann können wir plötzlich auf einer ganz anderen Ebene beginnen zu arbeiten.

Wir können uns anschauen, was uns dabei unterstützen könnte, diese Unsicherheit zu verlieren. Manchmal kann es Wissensaufbau sein, manchmal hilft viel üben, ob alleine oder in einer Gruppe.

Sehr oft genügt es jedoch, sich anzuschauen, ob diese Unsicherheit oder diese Ängste überhaupt heute noch berechtigt sind. Oder ob sie nicht eine alte Gewohnheit oder Konditionierung aus der Vergangenheit ist, die wir immer noch mit uns herumschleppen, obwohl sie eigentlich schon längst ausgedient hat.

Eine Wie-Frage hält uns auf und überschattet in den meisten Fällen eine Unsicherheit, Angst, Sorge die wir tief in uns tragen. Diese Unsicherheiten und Ängste sind es jedoch, die uns immer wieder vor dieselben Probleme stellt, auch wenn sie sich uns in unterschiedlichen Gewändern zeigt.

Sich diesen Ängsten und Unsicherheiten einmal zu stellen und sie aufzulösen, hilft nicht nur das aktuelle Problem zu lösen, sondern gleich alle zukünftigen mit dazu.

Wenn bei dir also das nächste Mal die Frage „Wie tu ich“ auftaucht, dann nimm dir den Tag frei (oder einen halben, wenn dir das zu extrem vorkommt) und sitze über der Frage „Warum tu ich nicht, was ich eigentlich tun möchte.“ Gib dir ehrliche Antworten, die vielleicht im ersten Moment unangenehm sind. Vielleicht sind es auch Antworten, die du dir schon so oft gegeben hast und du dich wunderst oder du wütend bist oder verzweifelt, dass du noch immer diese Angst oder Unsicherheit spürst.

Nur dieses Mal mache es anders. Schiebe die Antworten nicht auf die Seite, sondern prüfe, ob diese Unsicherheiten oder Ängste heute tatsächlich noch Bestand haben. Oder ob sie nicht eher Konditionierungen aus der Vergangenheit sind.

Und lasse auch die Stimmen aus deinem tiefsten Inneren zu, deine innere Weisheit. Von dort wirst du ganz andere Antworten erhalten.

Dieses Innehalten und sich das Problem von einer anderen Seite anzusehen, ermöglicht es uns, aus unseren zwanghaften, sich immer wiederholenden Denken auszusteigen und neue und frische Sichtweisen zuzulassen.

Albert Einstein sagte: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Deshalb gehe in der Natur spazieren, nimm dir Zeit für dich und hebe deine „Wie“ Fragen auf eine neue Ebene und erhalte Antworten, die dich wirklich an dein Ziel bringen,

2018-05-07T12:27:31+00:00

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