The Inner Game of Life – Wenn ich das schon früher gewusst hätte – Teil 2

Teil 2: Ich bin nicht für alles verantwortlich!

Wenn die Verantwortung zu viel wird

Mit ungefähr 30 Jahren trennte ich mich von meinem damaligen Mann. Wir lernten uns im Jugendalter kennen und irgendwie hatten wir uns auseinandergelebt und die Trennung war eine gemeinsame Entscheidung.

Natürlich war es für unseren damals 5-jährigen Sohn, Lukas, schmerzhaft und seine erste Reaktion, war ein verzweifeltes „Dann sehe ich meinen Vater nie wieder.“ Noch heute zerreißt es mir das Herz, wenn ich daran denke. Zum Glück ist das natürlich so nie eingetroffen, er hat seinen Vater regelmäßig gesehen und arbeitet heute in seiner Firma.

Zum damaligen Zeitpunkt jedoch war es für uns alle schwer. Ganz besonders kann ich mich an ein Telefonat mit meiner Schwester erinnern. Sie meinte „Silvia, du bist alleine auf dieser Welt.“ Im ersten Schritt verstand ich die Aussage nicht, erst später war mir bewusst, was es bedeutet. Es liegt an mir, ich kann mein Leben und das von Lukas steuern und in die Hand nehmen. Ich schaffe das auch alleine.

Von meinem 30 bis zum 40 Lebensjahr war ich sehr beschäftigt. Ich hatte einen Full-Time Job, reiste um die ganze Welt war mehr oder weniger alleinerziehende Mutter und machte mehrere Ausbildungen. Natürlich, denn immerhin musste ich drauf schauen, dass ich aus meinem Leben was machte. Ich war ja dafür verantwortlich.

Plötzlich war ich für alles verantwortlich – zumindest dachte ich so. Nämlich nicht nur, dass ich genug Geld verdiente, um alles bezahlen zu können.

Nein, auch dafür, was in meinem Leben und in dem meines Sohnes passierte.

ICH war dafür verantwortlich, dass mein Sohn die Schule gut absolvierte.

ICH war dafür verantwortlich, dass er nicht auf die schiefe Bahn kam.

ICH war dafür verantwortlich, dass es uns gut geht. Und zwar immer.

Aber noch mehr. Da ich schon so im verantwortlich sein drinnen war, fühlte ich mich plötzlich für alles verantwortlich.

Es lag an mir, dass meine Beziehungen gut liefen. Dass sich meine Eltern nicht stritten. Dass alle Projekte, die ich leitete, gut liefen. Dass meine MitarbeiterInnen ihren Job machten.

Die Nebenwirkungen meines ständigen Tuns waren neben schlechter Laune bis hin zu Depressionen, vor allem ständige Rückenschmerzen. Und das Gefühl eine immens schwere Last zu tragen. Kein Wunder, ich hatte das Gefühl, die Verantwortung für das Leben aller Menschen in meiner Umgebung übernehmen zu müssen.

Mit diesem „Ich bin für alles verantwortlich“ manifestierte sich ein ganz starker Kontrollmechanismus in mir. Nur wie für etwas verantwortlich sein, wofür wir nicht verantwortlich sind und wie alles kontrollieren wollen, was wir nicht kontrollieren können?

Wofür sind wir verantwortlich?

Wer mich kennt, kennt auch meine Aussage: Wir sind alleine für unser Leben verantwortlich. Ja, ich meine das auch noch immer so. Allerdings heute in etwas abgewandelter Form.

Ja, wir sind für unser Leben verantwortlich. Aber eben NUR für unseres. Wir sind nicht dafür verantwortlich, was andere Menschen tun oder denken und können das auch nicht beeinflussen. Auch Kinder nicht.

Heute sehe ich unsere Verantwortung in einem kleineren Rahmen. Wenn wir den aber nutzen, dann haben wir viel mehr Einfluss auf unser und auch auf das Leben anderer.

Wir Menschen sind eine Kreativ-Maschine. Wir haben die immense Gabe, Gedanken und Ideen aufzunehmen und daraus Unglaubliches zu erschaffen. Jeder von uns besitzt diese außerordentlich, kreative Macht. Denke nur an Albert Einstein, Thomas Edison, Steve Jobs und tausend anderer, bekannter Namen. Aber nicht nur die sind kreativ. Wir alle sind in irgendeinem Bereich kreativ.

Sei es beim Malen, schreiben, kochen, Haus bauen, neue Produkte schaffen. Tag täglich und immer wieder.

Jetzt sagst du vielleicht – ich bin nicht kreativ.

Doch bist du! Ganz ehrlich!

Allerdings kann es sein, dass du dich, so wie ich lange Zeit, für alles verantwortlich fühlst und alles kontrollieren und „richtig“ machen möchtest.

Aber kannst du tatsächlich alles kontrollieren und bist für alles verantwortlich?

Für mich besteht ein kreativer Prozess aus drei Schritten:

  1. Die Idee
  2. Die Umsetzung
  3. Wie es im Außen ankommt

Zu Punkt 1: Die Idee/der Gedanke

Wir sind für unsere Gedanken und daraus resultierend neuen Ideen nicht verantwortlich. Gedanken und Ideen kommen und gehen. Sehr gut gefällt mir das Bild von Elisabeth Gilbert in ihrem Buch „Big Magic“. Sie beschreibt darin Ideen als kleine, unsichtbare Wesen, die von Mensch zu Mensch fliegen. Sie setzen sich auf deren Schulter, präsentieren die Idee und warten darauf, ob der Mensch es aufnimmt oder nicht.

Oft genug nehmen wir die Idee nicht auf. Weil wir gerade zu beschäftigt sind oder wir gar nicht wahrnehmen, dass eine Idee gerade auf unseren Schultern gelandet ist. Also fliegt die Idee weiter. Das Ergebnis ist dann oft, dass wir eine Idee von jemanden anderen umgesetzt sehen. Großer Zorn wird breit – Hey, das war doch meine Idee. Ja, vielleicht – aber du hast sie nicht aufgenommen.

Zu Punkt 2: Die Umsetzung

Dafür und NUR dafür sind wir verantwortlich. Was wir mit der Idee tun, die zu uns geflogen kommt, können wir steuern. Hier können wir kreativ sein, die Idee weiterverfolgen und sie zur Welt bringen. Unserer Phantasie und Hartnäckigkeit sind keine Grenzen gesetzt.

Mit unserer kreativen Energie haben wir unendliche Möglichkeiten, Neues in die Welt zu bringen. Diese Energie steckt in dir, in mir, in jeden von uns und wartet auch nur darauf, von uns genutzt zu werden.

Zu Punkt 3: Wie es im Außen ankommt

Auch dafür tragen wir keine Verantwortung. Niemals und ich meine wirklich NIEMALS können wir im Vorhinein schon wissen, welche Auswirkungen unser Umsetzen hat. Daran scheitern auch ganz viele Menschen. Da sie den Output kontrollieren wollen – welche Reaktionen zeigt meine Umgebung – hören sie schon auf, bevor sie überhaupt begonnen haben.

Werden meine Kunden kaufen?

Was wird mein Partner sagen?

Werde ich den Auftrag bekommen?

All diese Gedanken schwirren schon während der Umsetzung in unserem Kopf herum und erschweren unseren kreativen Prozess oder stoppen uns gar vor dem Erschaffen.

Wenn ich das schon früher gewusst hätte:

Ich dachte immer, ich wäre für den ganzen Prozess verantwortlich. Gebe ich meinen Sohn in diese Schule, dann wird er ein begeisterter Schüler und wird ein glücklicher Mensch. Nehme ich diesen Job an, dann werde ich nie wieder Geldsorgen haben. Gehe ich diese Beziehung ein, dann werde ich für immer happy sein.

Sobald wir jedoch erkennen, dass wir nur für einen kleinen, aber sehr entscheidenden Teil verantwortlich sind und auch nur diesen kontrollieren und steuern können, dann wird alles auf einmal ganz leicht.

Denn wir gehen offen und neugierig durchs Leben, sehen Möglichkeiten, nehmen diese wahr und belasten uns nicht mit Gedanken, welches Ergebnis wir erzielen könnten. Wir befassen uns nicht mit einer ungewissen Zukunft, die wir einfach niemals steuern können, sondern sehen, was wir heute alles tun können. Und das ist auch der einzige Moment, in dem wir aktiv sein können.

Für Dich:

Vielleicht hilft dir dieses Bild.

O.K – es ist jetzt keine grandiose Meisterleistung, aber ich habe mich redlich bemüht :-).

Verantwortung, Silvia Chytil

Stell dir vor, Ideen sind kleine unsichtbare Wesen, die durch die Welt schwirren und bei dir Einlass erbeten. Erst wenn sich eine Idee bei dir niederlässt und du dich auch entscheidest, sie aufzunehmen, erst dann kommst du zum Zug.

Dann kannst du kreativ werken und gestalten. Wenn du mit dem Tun fertig bist, dann wird es Zeit, dein Werk auch wieder loszulassen. Wie einen Luftballon, den du in den Himmel schickst.

Du kannst nicht mehr beeinflussen, ob du mit deiner Ausführung ganz viel Geld verdienst oder du eine Medaille erhältst oder die Menschen sich darüber freuen oder nicht. Das alles liegt nicht mehr in deiner Verantwortung.

Sobald du das erkennst, wirst du nicht nur viel leichter leben, sondern du wirst dein gesamtes (kreatives) Potenzial nutzen und produktiver sein als je zu vor.

Glaubst du nicht?

Dann probiere es einfach aus :-).

P.S. Fühlst du dich für alles verantwortlich? Kontrollierst du die Dinge gerne? Hält es dich von deinem kreativen Prozess ab? Hinterlasse hier einen Kommentar. Ich bin gespannt auf deine Geschichte. 

PP.S. Willst du als Erster über den nächsten Teil informiert werden? Dann trage dich hier ein und du erhältst den nächsten Teil, sobald er erscheint.

In dieser 3-teiligen Serie erzähle ich dir über meine Erkenntnisse, die ich im Zuge meiner Ausbildung zum Transformative Coach bei Michael Neill in Los Angeles erkannt habe, über das „Inner Game of Life“ und wie viel mir erspart geblieben wäre, hätte ich das alles schon früher gewusst.
Teil 2: Wir sind NICHT für alles verantwortlich
Bild ganz oben: https://barnimages.com/
2017-05-16T21:28:48+00:00

4 Comments

  1. Annette Kunow 9. Mai 2017 at 7:22 - Reply

    Super schön geschrieben! Danke Silvia.
    Aber das Strukturieren und Umsetzen dieser Ideen macht vielen Menschen Probleme. Eine Idee in ein realistisches Projekt umzusetzen, ist die Kunst.

    • Silvia Chytil, M.Sc. 9. Mai 2017 at 17:47 - Reply

      Liebe Annette,
      bitte gerne :-).

      Wenn wir eine Idee Schritt für Schritt umsetzen, ohne uns viel zu viel Gedanken über den Output zu machen, dann gelingt es uns meist recht leicht, das Projekt umzusetzen. Ich glaube, die Schwierigkeit besteht zumeist, dass wir viel zu weit in die Zukunft hinein denken :-).

      Alles Liebe
      Silvia

  2. Ulrike Gamsjäger 9. Mai 2017 at 12:22 - Reply

    Liebe Silvia, was für ein erleichterndes Konzept! Da momentan sehr viele Ideen und Möglichkeiten bei mir anklopfen – fühlt sich ja ansich auch gut und nach Fülle an 😀 – jetzt fällt es mir leichter, einige Ideen einfach weiterziehen zu lassen.
    Loslassen und sich nur für die Herzensprojekte verantwortlich fühlen ist befreiend! Vielen Dank! Ulrike G.

    • Silvia Chytil, M.Sc. 9. Mai 2017 at 17:46 - Reply

      Liebe Ulrike,

      ja, wir müssen auch nicht alles aufnehmen, was so vorbei fliegt :-).

      Freue mich, dass es dir Erleichterung bringt.

      Viel Spaß bei deinen Projekten 🙂

      Alles Liebe,
      Silvia

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