Warum du unbedingt noch kurz stehen bleiben solltest

Das Jahresende naht. Das ist immer eine hektische Zeit. Alle haben den Blick schon wieder in die Zukunft gerichtet: Eine Strategie für das nächste Jahr planen, Ziele setzen und dann wieder Vollgas.

Oder …

… zuerst einmal Füße hochlegen und beim Fenster hinaus schauen. Innehalten. Stehen bleiben. Zeit für die Reflexion nehmen.

„Man sollt nie so viel zu tun haben, dass man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.“  Georg Christoph Lichtenberg

Vor ein paar Tagen hatte ich ein langes Gespräch mit einer Kollegin. Es ging um neue Projekte, um Ziele für das nächste Jahr und um die Planung der nächsten Wochen. Ihr Fokus war stark auf die Zukunft gerichtet.

Während des Gespräches machte sich bei mir innerer Widerstand breit. Anfänglich konnte ich nicht sagen, worauf sich dieser bezog. Und es lag sicher nicht an ihrer Person. Es war etwas anderes, dem ich zuerst keinen Namen geben konnte.

Erst nach und nach kam ich darauf. Und zwar beim Arbeiten. Ich setzte mich hin und erstellte meine Planung. Besser gesagt, ich wollte meine Planung erstellen. Aber es tat sich nichts. Sprudelte ich im Normalfall nur so von neuen Ideen, war es diesmal anders. Mir fiel nichts ein, ich war leer. Ich wollte keine Planung machen und keine neuen Ziele festlegen.

Und da merkte ich, dass ich einen anderen Fokus hatte. Ich wollte nicht in die Zukunft blicken.

Ich wollte stehen bleiben. Und Rückschau halten. Ich wollte reflektieren.

Vielleicht ist es der Jahreszeit geschuldet. Wir stecken in der Advent-Zeit. Eigentlich eine ruhige Zeit. Schaue ich mich allerdings auf den Straßen und in den Geschäften um, ist von besinnlicher Zeit wenig zu sehen. Im Gegenteil, es herrscht reges Treiben.

Aber auch in Zeitungen, Magazinen und im Internet wird kein Gang herunter geschaltet. Ziele setzen, das nächste Jahr planen, auf das BESTE JAHR hoffen.

Und das ist ja alles auch nicht falsch.

Aus meiner langjährigen Berufserfahrung haben sich in einem Projekt zwei Phasen als essentiell erwiesen:

  1. Planung

  2. Reflexion

Das mit der Planung wird besser. Obwohl es hier immer wieder Defizite gibt. Während die einen planen und planen und auf die Realisierung vergessen, stürzen sich andere kopfüber ins Geschehen und wundern sich, dass das Vorhaben nicht die erwünschten Ergebnisse gebracht hat. Da wurde wieder zu wenig Zeit in die Planung verwendet.

Bei einem Business läuft es nicht anders. Die einen entpuppen sich als wahre Planungsweltmeister, kommen aber nicht ins Tun. Andere wiederum, vergessen aufs Ziele setzen und spazieren einfach drauf los. Jeder, der mich kennt, weiß, wie wichtig mir Ziele, Visionen und Planung ist.

Statt vorwärts zuerst einmal rückwärts

Heute möchte ich mich aber auf den zweiten Punkt konzentrieren. Der Reflexion. Oder auch Rückschau, Innehalten, Stehenbleiben.

Wir leben in einer schnellen und hektischen Zeit. Alles muss noch besser, größer, schneller – einfach immer noch „mehr“ passieren. Und blicke ich in Zeitungen, Fernsehen, Internet werde ich überhäuft mit Aufforderungen, mir zu überlegen, wie ich noch erfolgreicher, noch besser, noch zufriedener werden kann. Dieser Fokus suggeriert uns, dass, das was wir haben, nicht genug ist. Dass wir uns mehr anstrengen sollen. Dass wir noch nicht am Ziel sind. Dass es noch viel zu verändern gibt.

Und ja – sie haben alle, alle recht. Ja, es gibt noch viel zu tun. Es gibt immer etwas zu verbessern. Und zu ändern sowieso.

Aber JETZT NICHT.

Jetzt ist Zeit stehen zu bleiben. Und zurück zu schauen. Zu reflektieren.

Warum ist Reflexion so wichtig?

Reflexion bedeutet nachdenken, überlegen, etwas einer prüfenden Betrachtung unterziehen. Es ermöglicht dir als Unternehmerin einen routinierten Blick nach „innen“ zu richten und Bestehendes zu hinterfragen.

Wer reflexionsfähig ist, ist in der Lage eigenes und fremdes Verhalten, Situationen, Personen und Prozesse kritisch zu hinterfragen und zu überprüfen, ob sie den bestehenden Erwartungen entsprechen.

Manchmal wird die Zeit, die für die Reflexion aufgewendet wird, als kritisch gesehen. Stehen doch schon die nächsten Projekte vor der Türe. Oder alte Aufträge müssen noch nach bearbeitet werden. Und da wir uns in einer schnelllebigen Zeit befinden, bleibt kaum Zeit zum Nachdenken.

Viele Unternehmer und Unternehmerinnen investieren enorm viel Zeit in ihre Ziele, Träume und Planung. Versteh mich nicht falsch. Das ist enorm wichtig für dein Business.

Überrascht bin ich eher darüber, wie wenige wissen, wo sie JETZT gerade stehen. Ja, manchmal habe ich das Gefühl, sie hätten Angst davor. Zu sehen, wie ihre Finanzen aussehen, ob ihre Kunden zufrieden sind, was sie alles erreicht haben – und welche Fehler sie vielleicht begangen haben.

Aber wenn du in das Dunkle zurück blickst, den Scheinwerfer auf Vergangenes richtest und betrachtest, wo genau du JETZT stehst, dann ist das unglaublich nützlich und kraftvoll.

Du siehst …
… ob du das erreicht hast, was du dir vorgenommen hast,
… ob deine Ziele noch aktuell sind,
… welche Fehler du in Zukunft vermeiden solltest,
… ob du noch in die richtige Richtung gehst,
… wie es dir gerade geht,
… was du alles gelernt hast,
… deine großartigen Erfolge!

Zeit der Ruhe

Werfen wir einen Blick in die Natur, dann ist der Winter die Zeit der Ruhe. Die Pflanzen stellen ihr Wachstum ein, Tiere verkriechen sich in den Winterschlaf. Nur wir Menschen können keine Ruhe geben. Wir stürmen von Adventmarkt zu Adventmarkt oder in übervolle, laute, grelle Shoppingcenter. Geben im alten Jahr noch einmal Vollgas und akquirieren schnell noch ein paar Kunden oder stampfen ein neues Projekt aus dem Boden. Wie jedes Jahr wird aus der besinnlichsten Zeit die hektischste Zeit des Jahres.

Und zu Weihnachten strecken wir alle Viere von uns und geloben Besserung.

Nimm dir jetzt Zeit

Was wäre aber, wenn es dieses Jahr ganz anders ist? Wenn du dich aus dem Trubel heraus nimmst? Wenn du es den Tieren und Pflanzen gleich machst und ein paar Gänge zurück schraubst? Wenn du dir bewusst Zeit für dich nimmst und das alte Jahr reflektierst, bevor du das neue Jahr planst?

Nur ein Wunschtraum?

Vielleicht …

Vielleicht aber auch nicht!

Silvia

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2017-12-01T11:25:39+00:00

2 Comments

  1. Katja 8. Dezember 2015 at 22:05 - Reply

    Liebe Silvia,
    das ist ein sehr schöner Beitrag. Vielen Dank dafür.
    Ich habe auch einen Beitrag darüber geschrieben, der diese Woche erscheint. Dort lege ich neben der Reflexion auch die Aufmerksamkeit auf das Jetzt. Denn wie du schon schreibst, viele wissen gar nicht so recht, wie es ihnen jetzt geht. Ich halte dies jedoch auch für einen sehr wichtigen Schritt, zu wissen, was wie gelaufen ist, wie es jetzt gerade ist, damit ich dann – davon ausgehend – in die Zukunft schauen kann.
    Mir gefällt dein Schreibstil 😉
    Liebe Grüße
    Katja

    • Silvia Chytil, M.Sc. 8. Dezember 2015 at 23:33 - Reply

      Liebe Katja,
      ich kenne das aus meiner Vergangenheit. Für den Rückschau bleibt kaum Zeit. Kaum ist etwas (halbwegs) abgeschlossen, schon wird nach vor geprescht. Ich finde es auch schade. Wir können so viel lernen.
      Und das Jetzt ist sehr sehr wichtig.
      Bin schon sehr gespannt auf deinen Artikel.

      Und … danke fürs Kompliment :-).

      Alles liebe
      Silvia

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