Die Schokolade im Supermarkt und was das mit deinen Glaubenssätzen zu tun hat

Glaubenssätze auflösen

Wie entstehen Glaubenssätze und wie kannst du sie auflösen?

Viel einfacher, als du denkst!

Aber hör selbst 🙂

Ich bin mir ganz sicher, du hast auch so ein Lieblings-Produkt. Jedes Mal, wenn du an ihm vorbeigehst, lacht es dich an. Du kannst kaum widerstehen. Meistens greifst du zu, manchmal hortest du dir sogar einen Vorrat.

Oft genug sind es Artikel, die du lieber meiden solltest oder möchtest. Schokolade, Chips, Cola oder ähnliches. Und der Supermarkt hat nichts Besseres zu tun, als sie dir immer in vorderster Front zu präsentieren.

Wie fies!

Bei mir war es lange Zeit meine Lieblings-Schokolade. Sie durfte nie in meinem Einkaufswagen fehlen. Zuhause habe ich es mir gemütlich gemacht und sie genüsslich verspeist. Mittlerweile habe ich jedoch dem Zucker den Kampf angesagt und ich kaufe mein Lieblingsstück schon seit längerem nicht mehr. Besser für mich, besser für mein Wohlbefinden.

Umso überraschter war ich, als mir der Supermarkt nun genau diese Schokolade zu einem Super-Sonderpreis angeboten hat.

Warum habe ich das Super-Sonderangebot erhalten? Voraussichtlich weil ein findiger Computer herausgefunden hat, dass es zu einer meiner bevorzugten Artikel gehörte und ich diesen schon seit längerer Zeit nicht mehr gekauft habe. Also probieren sie, ob ich nicht doch noch mal zuschlagen möchte und damit den Umsatz wieder steigere.

Unser Gehirn ist wie der Supermarkt

Ich bin weit davon entfernt zu behaupten, dass unser Gehirn wie ein Computer arbeitet. Dazu ist es viel zu ausgetüftelt. Allerdings funktioniert es bei manchen Operationen doch sehr ähnlich.

Unser Gehirn ist nicht nur sehr gefinkelt, sondern auch etwas faul. Wie der Supermarkt hat es eine sehr einfache Vorgehensweise, wie er uns unsere Produkte (in diesem Fall Gedanken) feilbietet.

In der Mitte gut sichtbar sind jene Produkte, zu denen wir immer wieder greifen. Weiter entfernt oder etwas versteckt, Artikel, die wir nicht so oft benötigen oder bei denen wir nur im Bedarfsfall zuschlagen. Ganz abseits, außerhalb unserer Sichtweite sind jene Erzeugnisse, zu denen wir nie greifen. Zumeist wissen wir gar nicht, dass sie existieren.

Und dann gibt es noch die Sonder-Angebote. Im Supermarkt ist, wie bei mir, die Schokolade, in unserem Gehirn so Sätze wie

–       Das kannst du nicht!

–       Das schaffst du nie!

–       Die Anderen sind besser, als du!

Das sind nur ein paar der sehr reißerischen Produktnamen, die sich unser Gehirn einfallen lässt.

Sie locken ganz verführerisch. Eigentlich wissen wir, dass es eine Mogelpackung ist und uns nicht wohl bekommt – und doch –  immer wieder greifen wir zu. Wir kaufen und kaufen, horten sogar einen Vorrat. Nur um uns zu ärgern und wir wissen nicht, wie wir das unliebsame Zeug (diese hindernden Glaubenssätze) wieder loswerden.

Wir könnten auch vorbeigehen

Als ich damals beschlossen hatte, diese Schokolade von meinem Ernährungsplan zu streichen, war das keine enorme Anstrengung. Ich wusste, dass sie mir nicht guttat, wusste, dass ich sie nicht zu kaufen brauche und tat das in Zukunft auch nicht mehr. Natürlich hüpfte sie mir immer noch hin und wieder vors Gesicht. Ein paar Mal war die Verlockung auch sehr groß und ich wurde rückfällig. Aber letztendlich wich diese Schokolade aus meiner Wahrnehmung.

Jetzt sehe ich dich schon nicken. Ja, mit der Schokolade mag das ja vielleicht gehen (wenn auch schwer). Aber mit den Gedanken funktioniert das so nicht. Ich kann Gedanken nicht einfach „nicht mehr“ denken.

Nun ganz so stimmt das nicht. Wir sind nämlich unseren Gedanken nicht hilflos ausgeliefert.

Ich zeige dir warum:

1. Wir müssen den Gedanken nicht „kaufen“

Vollkommen richtig ist, dass es hartnäckige Glaubenssätze gibt, die immer wieder auftauchen. Das können wir nicht verhindern. Einen standhaften Gedanken nicht mehr denken zu wollen, wäre so, als ob wir mit Zwang versuchen würden, dass der Laden die Schokolade aus dem Sortiment nimmt. Das wird uns nicht gelingen. Wenn sie gekauft wird, wird sie weiterhin angeboten.

Allerdings müssen wir den Artikel nicht kaufen!

Sprich – wir müssen den Gedanken nicht weiterdenken. Wir müssen ihn nicht aufnehmen, hin und her drehen und uns überlegen, wie wir den bloß wieder loswerden.

So wie bei der Schokolade, brauchen wir auch bei unseren Gedanken keine Ahnenforschung betreiben. Wir müssen uns nicht überlegen, wann wir das Produkt das erste Mal gekauft haben, ob unsere Mutter und Großmutter auch so gerne diese Schokolade gegessen hatten und was wohl die Nachbarn sagen, wenn wir ab nun darauf verzichten.

Es reicht, wenn wir unserem Gehirn sagen – Danke, liebes Gehirn, aber jetzt brauche ich den Gedanken nicht mehr.

Schluckt das das Gehirn?

Ja, tut es!

Denn …

2. Unser Gehirn ist lernfähig (bis ins hohe Alter!)

Ein Produkt bleibt solange im Sortiment, solange es gekauft wird. Je öfter, umso prominenter wird es angeboten.

Bei unserem Gehirn ist es (sehr vereinfacht dargestellt) ähnlich. Gedanken, die wir oft denken, bilden ein sehr ausgeprägtes und tiefes Netzwerk. Da unser Gehirn meint, es wäre wichtig für uns, macht es tiefe Furchen und präsentiert uns diese Gedanken immer wieder.

Dann kommt der Moment, an dem wir feststellen: Dieser Gedanke ist für uns hinderlich und wir wollen ihn loswerden.

Wie gesagt, unser Gehirn ist etwas faul und löst dicke Verknüpfungen nur langsam auf. Um diese allerdings überhaupt auflösen zu können, benötigt es den Hinweis: Diese Verzweigung ist nicht mehr notwendig.

Also müssen wir unserem Gehirn immer wieder sagen, dass wir diese Glaubenssätze oder diese Gedanken nicht mehr benötigen.

Manchmal dauert es eine Weile. Allerdings Hartnäckigkeit macht sich bezahlt. Je öfter wir den Gedanken zur Seite schieben und uns nicht weiter damit befassen, umso schneller lernt unser Gehirn, dass dieser Glaubenssatz nicht mehr gebraucht wird. Es löst die Verbindungen wieder auf und bildet stattdessen neue. Zum Beispiel statt Schokolade ab nun Sport.

Es ist auch ein falsch, dass wir im Alter keine neuen Verbindungen mehr aufbauen können. Der Satz „Ich war immer schon so“ führt uns in die Irre. Denn unser Gehirn lernt bis ins hohe Alter dazu und ist fähig immer wieder neue Verknüpfungen zu bilden und neue Gedanken zu denken.

Aber stimmen die Gedanken denn nicht?

Nein!

Weil …

3. Unser Gehirn macht ständig Fehler

Heute war ich mit unserem Hund in der Früh am Marchfeldkanal in Wien spazieren. Zum ersten Mal habe ich dort Biber wahrgenommen. Weil ich sie endlich auch live sehen wollte, blinzelte ich beim nächsten Geräusch im Wasser neugierig durch die Büsche. Und tatsächlich dort im Wasser war etwas, ich konnte allerdings nur Umrisse erkennen.

In meinem Kopf ratterte es. Ich konnte regelrecht spüren, wie mein Gehirn versuchte, das Ding im Wasser zu identifizieren und fehlende Informationen hinzuzufügen.

Ja, das könnte der Körper sein. Ja, das ist der Körper

Und das vielleicht der Schwanz. Ja, das ist der Schwanz.

Ganz begeistert starrte ich auf das Verborgene – endlich habe ich einen Biber in Natur gesehen.

… bis meine Augen einen Schnabel erblickten.

… Ok – war wohl nichts. Ist doch bloß eine Ente.

Unser Gehirn macht ständig Fehler. Unwissentlich. Nicht absichtlich. Da es jedoch gewohnt ist, alle vorhandenen Informationen zu verknüpfen und es sich nur ungern mit Lücken zufrieden gibt, erfindet unser Gehirn ständig etwas dazu.

Das Fatale – unser Gehirn kann nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden. Will es auch gar nicht. Es unterscheidet auch nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Nachrichten.

So wie dem Manager des Supermarktes egal ist, ob er nun Schokolade direkt bei der Kasse platziert oder Orangen – Hauptsache es wird gekauft – ist auch dem Gehirn egal, welche Gedanken es denkt.

Auch wenn das Wort Maschine nicht zutreffend ist, ist unser Gehirn so etwas wie eine Gedankenmaschine. Es produziert Gedanken am laufenden Band: Geschätzte 60.000 Mal funkt es pro Tag in unserem Kopf. Das ist eine ganze Menge.

Wenn unser Gehirn so vor sich hin sprüht, ist ihm vollkommen gleichgültig, ob es nun denkt „Du bist einsame Spitze“ oder „Du bist ein totaler Looser“.

Unser Gehirn hat keine Präferenz für gute oder schlechte Gedanken. Und eben noch schlimmer, es hat nicht einmal eine Vorliebe für „richtige“ oder „falsche“ Informationen. Denn so wie das eine oder andere Produkt ein Schwindel-Etikett aufweist, produziert auch unser Gehirn falsche Informationen ohne Unterlass.

Deshalb ist der Satz „Ich kann das nicht“ nicht richtig, nur weil wir ihn ständig denken. Wir denken ihn bloß, weil in unserem Gehirn eine dicke Verbindung vorhanden ist.

Was kannst du nun tun, um eine Verbindung wieder zu lösen?

Um einen hartnäckigen (negativen) Glaubenssatz wieder aus deinem Gehirn zu löschen, brauchst du nicht eiserne Willenskraft oder die Umkehr des Gedankens in einen positiven. Du brauchst auch keine Ahnenforschung betreiben und deren Entstehung herausfinden.

Es geht viel einfacher:

  1. Erkenne, dass der der negative Satz nicht wahr ist, nur weil du ihn ständig denkst und er starke Emotionen bei dir auslöst. Du denkst ihn, weil dein Gehirn feste Verbindungen dazu aufgebaut hat. Es sagt NICHTS über richtig oder falsch aus.
  2. Erkenne, dass du nicht der Gedanke bist und du dich nicht damit identifizieren brauchst. Du kannst den Gedanken jedes Mal, wie die Schokolade, einfach im Regal stehen lassen. Dadurch lösen sich allmählich auch die Verbindungen auf.
  3. Erkenne, dass du immer wieder neue Gedanken denken kannst. Unser Gehirn macht das auch ständig und es lernt gerne dazu. Es ist fähig bis ins hohe Alter neue Muster zu bilden. Manchmal dauert es etwas. Gib dir (und deinem Gehirn) Zeit. Manchmal passieren neue Verknüpfungen jedoch auch von einer Sekunde auf die nächste.

Fazit

Wir nutzen unser Gehirn (soweit uns das überhaupt bewusst möglich ist) und benutzen die uns dargebotenen Gedanken, um großartige Dinge in die Welt zu bringen.

Was wir allerdings nicht brauchen können, sind Gedanken und Glaubenssätze, die uns vom großartig sein ab- und im Leben klein halten. Diese können wir getrost im Regal stehen lassen.

Denn sobald uns bewusst ist, dass wir weder die Schokolade noch „diesen einen“ Gedanken für unser Glück und Wohlbefinden benötigen, können wir von beiden die Finger lassen.

Hab Spaß, bleib neugierig und lass dich von deinen Gedanken nicht klein machen.

P.S.  Was tust du, wenn du negative Gedanken hast? Gelingt es dir, sie wieder los zu werden? Welche Erfahrungen hast du damit? Hinterlasse hier einen Kommentar, ich freue mich von dir zu lesen. 

2017-09-19T12:27:28+00:00

5 Comments

  1. Eva 22. Juni 2017 at 13:55 - Reply

    Danke für die Analogie mit der Schokolade. Manchmal verändert sich ja auch der Schokoladen-Geschmack im Laufe der Jahre. Erst ist man noch verwundert, weil man doch nie dunkle Schokolade mochte.
    Das kann auch mit den Gedanken klappen, dass bestimmte Geeanken nicht mehr passen. Vielleicht ein erster Schritt zur Veränderung.

    • Silvia Chytil, M.Sc. 22. Juni 2017 at 15:57 - Reply

      Liebe Eva,

      da hast du vollkommen recht – so wie der Geschmack und etwaige Vorlieben, ändert sich auch die Nützlichkeit unserer Glaubenssätze.

      Und wenn wir das erkennen, ist schon ein Riesen-Schritt getan :-).

      Alles Liebe
      Silvia

  2. Die Freiberuflerin 30. Juli 2017 at 7:38 - Reply

    Ein sehr gelungener Vergleich mit der Schokolade, aber du hast absolut Recht damit! Danke für den Input!

  3. Renate 16. August 2017 at 12:51 - Reply

    Danke für deine Ausführungen. Jetzt ist mir auch klar, warum ich manchmal, wenn ich mich mies fühle gerne anfange etwas zu recherchieren. Z.B. die nächste Wanderung oder ein kompliziertes Strickmuster. Auf diese Weise versuche ich mich den negativen Gedanken zu entziehen und das Gehirn mit was anderem zu beschäftigen. Vielleicht liegt darin auch der Reiz von Kreuzworträtsel oder ähnlichem.

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