Hilfe – Ich brauch‘ eine neue Idee! In 4 Schritten zum Geistesblitz

Was machst du, wenn du einen Geistesblitz benötigst? Grübelst du Tag und Nacht über dem Problem und wartest auf eine Eingebung? Und meistens fällt sie dir ein, wenn du gerade nichts zum Schreiben hast?

Oft meinen wir ja, wir hätten zu wenig neuer Ideen und Gedanken. Wir glauben es gäbe den kreativen Menschen, den genialen Künstler, Wissenschaftler oder Erfinder.

Tatsächlich aber sind wir alle sehr kreativ. Jeden Tag erzeugen wir permanent neue Gedanken. Zum Beispiel, wenn wir uns unterhalten, dann kombinieren wir Gedanken zu neuen Informationen, bilden Sätze, die wir zuvor noch nie gesprochen haben.

Oft sind uns die Geistesblitze gar nicht bewusst oder wir lassen sie an uns vorbeiziehen. Wir glauben, wir müssten uns nur noch mehr anstrengen und noch mehr darüber nachdenken, dann fällt uns schon was ein. Wir merken gar nicht, dass wir sie am laufenden Band erzeugen können.

Kreative Gedanken, neue Ideen sind kein Produkt unseres Verstandes. Wenn wir uns in Stress versetzen, weil wir doch unbedingt einen Geistesblitz benötigen, dann erschaffen wir uns zwar Kopfschmerzen, aber sicher keinen Geniestreich.

Unser System ist ziemlich ausgetüftelt und es lässt sich nicht immer in die Karten schauen. Es arbeitet gerne im Stillen und ist immer für Überraschungen gut. Wir müssen nur die Zügel loslassen, uns nicht für alles verantwortlich sehen, dann sind geniale Ideen nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Wie der Prozess abläuft und auch du jeder Zeit Zugang zu neuen Gedanken hast, zeige ich dir in diesen vier Schritten:

1. Das Problem erfassen 

Im ersten Schritt erfassen wir das Problem. Und wenn ich erfassen sage, dann meine ich nicht, sich zu denken „Ich brauche mehr Kunden.“ Um den kreativen Prozess in Gang zu bringen, müssen wir so viel wie möglich Informationen zu unserer Aufgabenstellung sammeln.

Folgende Fragen sind hilfreich:

  • Was genau will ich erfinden, verbessern, erreichen?
  • Nach welchen Kriterien?
  • Was ist mir wichtig?
  • Was soll es auf keinen Fall sein?
  • Welche Hindernisse könnten auftauchen?

 

Dieser Vorgang kann in Form des Brain Stormings erfolgen. Auch die Meinungen und Informationen von anderen können hier eingeholt werden.

Wichtig ist, dass wir „Out of the box“ denken. Also nicht nur Lösungsversuche, die funktionieren könnten, sondern auch Ansätze und Gedanken zulassen, die „falsch“ sind. Das Gehirn benötigt in dieser Phase viele unterschiedliche Informationen und steigert durch „falsche“ Ansätze und Fehler seine Überprüfungskriterien. Diese werden dann für den kreativen Vorgang benötigt, um eine wirkliche neue Idee zu entwickeln.

Ein wichtiger Faktor in dieser Phase sind unsere Emotionen. Je gefühlsbeladener wir diese Situation durchlaufen, umso mehr zeigen wir unserem System: Sieh her, das ist jetzt wirklich wichtig! Also ruhig Stress, Ängste, Wut rauslassen, aber gerne auch mit Anderen über das Problem lachen und sich beim Brain Storming in eine Wettkampfsituation bringen. Das alles hebt die Wahrscheinlichkeit einen wahren Geistesblitz zu erzeugen.

 

2. Übergabe an das System

Das ist wohl die schwierigste Phase. Wir glauben, dass wir die Lösung nur finden, wenn wir ständig darüber grübeln. Deshalb halten wir daran fest und holen es uns immer wieder ins Bewusstsein zurück.

Allerdings: Genau damit hemmen wir den Prozess. Du kannst dir sicher sein, auch wenn wir nicht bewusst daran denken und das Problem zur Seite legen, befasst sich unser Gehirn und unser gesamtes menschliche System weiter damit..

Mit der Übergabe an das System geben wir die Angelegenheit aus unserer (bewussten) Hand. Wir geben die Verantwortung ab. Nicht wir sind mehr dafür zuständig, sondern lassen in Ruhe eine andere Macht walten.

Wie kannst du dein Problem übergeben?

  • Mach etwas Anderes
    Aber bitte befasse dich nicht sofort mit dem nächsten Problem. Unser System kann sich immer nur um eine große Sache kümmern. Besser ist es eine längere Pause zu machen oder an die frische Luft zu gehen.
  • Ich Zeit gönnen
    Sport betreiben, ein gutes Buch lesen, ein Instrument spielen, das Lieblingsessen kochen. Alles was dir gut tut, ist jetzt angesagt. Je entspannter du wirst, umso leichter kannst du die Gedanken loslassen.
  • Ausreichend Essen und Schlafen
    Wenn wir uns in einer intensiven Lösungsfindungs-Phase befinden, dann benötigt unser System sehr viel Energie. Im Schlaf können wir uns erholen und wir belasten unser Gehirn nicht mit zusätzlichen Sinnes-Eindrücken. Außerdem ist unser Gehirn in der Nacht sehr aktiv und speichert alle wichtigen Informationen im Langzeitgedächtnis ab. Die beste Zeit wirklich kreativ zu werden.

 

3. Sich neuen Ideen gegenüber öffnen

In den ersten beiden Phasen haben wir uns vor allem mit uns selbst befasst. Jetzt wird es Zeit sich wieder unters Volk zu mischen und sich neuen Ideen zu öffnen.

  • Freunde treffen
    Lachen, Spaß haben, ausgelassen sein. Nichts befreit uns so sehr, als einen ausgelassenen Abend mit Freunden. Auch können fremde Gedanken noch einen Impuls bringen. Untersuchungen haben gezeigt, dass eigene Ideen deutliche kreativer ausfallen, wenn wir davor ungewöhnliche Ideen von Anderen gehört haben
  • Stress vermeiden
    Wenn wir uns einer kreativen Phase unter Stress setzen, dann ist das absolut kontraproduktiv. Warum? Unser System ist dann vor allem damit beschäftigt, uns wieder ruhig zu machen.
    Du kennst das sicher von dir selbst: Sind wir in einer „Prüfungs-Situation“ sehr nervös, dann wirken wir steif und können kaum einen klaren Gedanken fassen. Sind wir jedoch ruhig und gelassen, sprühen wir vor Energien, können viel mehr Informationen abrufen und haben vielleicht sogar einen Scherz auf den Lippen.

 

4. Der Geistesblitz

Sobald alle Informationen kombiniert und neu bewertet sind, passiert das Wunder. Der Geistesblitz ist da. Ganz plötzlich taucht die neue Idee in unserem Bewusstsein auf.

Woran erkennst du einen wahren Geistesblitz?

  • Oft macht uns die neue Idee etwas Angst
    Der Geistesblitz ist – und so soll es ja auch sein – etwas Neues. Etwas was wir zuvor noch nie gedacht oder getan haben. Daher schaltet sich gerne gleich der Kritiker ein „Darf ich das überhaupt?“ „Schaffe ich das?“, „Ist das nicht etwas zu groß für mich?“Aber wir wollten doch eine neue Idee. Hier ist sie 🙂
  • Wir vergessen sie nicht wieder
    Früher hatte ich immer einen Block neben meinem Bett, damit ich mir plötzliche Eingebungen aufschreiben kann. Irgendwann habe ich allerdings gemerkt: Einen wirklichen Geistesblitz, etwas wirklich Neues, was es wert ist, weiterzuverfolgen, vergesse ich nicht mehr. Es bleibt in meinem Gehirn haften. Daran erkenne ich, wenn es sich um eine wirklich neue, wertvolle Idee handelt.
  • Achtung vor dem Gedanken „Ja, das ist eine gute Idee.“
    Dieser Zusatz kommt zumeist dann, wenn wir denken, dass es sich um eine gute Idee handelt, allerdings nichts Neues, Weltbewegendes ist. Sondern viel mehr eine Idee, die wir schon mal gehört oder gelesen haben, nur vielleicht selbst noch nicht gemacht haben. Ein Beispiel: Du hast selbst noch nie Webinare gehalten. Jetzt überlegst du, wie du eine größere Reichweite erzielen könntest. Nach vielem Nachdenken kommt dir: Oh, ich könnte Webinare halten, das ist eine gute Idee.
    Es mag vielleicht eine gute Idee sein. Aber keine neue. Und es ist ganz bestimmt kein Geistesblitz.

 

Wir sind alle kreativ

Kreativität ist eine grundlegende Eigenschaft jedes Menschen. Wir entwickeln ständig neue Ideen und Gedanken. Sie ist kein Alleingang unseres denkenden Verstandes, sondern ein Zusammenspiel unseres gesamten Systems.

Kreative Lösungen lassen sich leider nicht auf Knopfdruck erzeugen. Ich weiß, dass es oft schwierig ist. Gerade, wenn wir unter Zeitdruck stehen und wir unbedingt eine Idee benötigen. Dann neigen wir dazu, uns das Problem immer wieder vor die Nase zu halten.

Aber: Ganz sicher weißt du von dir, dass die besten Ideen unter Dusche oder beim Spazieren gehen kommen. Eben genau dann, wenn du nicht an das Problem denkst.

Das Wunderbare: Du hast diese unglaubliche Kraft und Energie in dir, die dich wann immer du möchtest, mit neuen Ideen und Gedanken beliefert.

Nur Mut!

Das Einzige was du brauchst: Etwas Mut und viel Vertrauen in dein System Dein System ist so gebaut, dass es dir immer neue Ideen liefern möchte. Allerdings passiert das nicht mit unserem Verstand. Es passiert nicht, wenn wir krampfhaft daran festhalten. Und nicht, wenn wir glauben, für alles selbst verantwortlich zu sein.

Das Interessante ist: Je öfter wir auf unser großartiges System vertrauen, je mehr wir die Verantwortung zur Problemlösung abgeben – nämlich vom bewussten Denken an das unbewusste System – umso öfter werden wir mit neuen Ideen und Geistesblitze beschenkt.

Wir können sie dann scheinbar doch auf Knopfdruck erzeugen.

Und wie großartig ist es, in einer Welt unbeschränkter Möglichkeiten zu leben.

Nur Mut. Trau dich. Und lass dich von dir selbst überraschen.

Wann hattest du den letzten Geistesblitz? Was machst du um neue Ideen zu erhalten? Fällt es dir schwer loszulassen? Erzähle mir von deinen Geniestreichen und hinterlasse einen Kommentar unter diesem Artikel.

Alles Liebe

Silvia

 

2017-10-29T13:28:01+00:00

4 Comments

  1. Maria Ehrenberg 1. November 2017 at 14:28 - Reply

    Liebe Silvia,
    danke für diesen Artikel! Das entspricht auch total meiner Erfahrung. Es ist so wohltuend, zu wissen, dass der Geistesblitz den Abstand braucht.

    • Silvia Chytil, M.Sc. 2. November 2017 at 14:20 - Reply

      Liebe Maria,

      ja, mit Abstand sind wir gelassener und können Kräfte wirken lassen, die es viel besser wissen als wir :-).

      Alles Liebe
      Silvia

  2. RgB Winkelblicke 2. November 2017 at 0:43 - Reply

    Liebe Silvia,
    die Kraft des Unbewussten und den Weg dorthin kann ich nur bestätigen.
    Ich erinnere mich an die Übungsaufgaben im Mathestudium, zu denen uns Ähnliches erzählt wurde:
    Möglichst früh die Aufgabenstellung angucken und alle Begriffe klären, auch wenn noch keine Zeit für die Bearbeitung ist. Dann kann das Unterbewusstsein schon mal loslegen.
    Und praktisch erinnere ich mich noch ganz genau an den einen Tag, als ich wirklich stundenlang erfolglos an einer Aufgabe saß. Sonst war ich immer ganz gut irgendwie durchgekommen. Kaum hatte ich mich entschieden, es für den Moment gut sein zu lassen und mir am nächsten Tag einen Tipp geben zu lassen, kam auch schon die Lösungsidee. Beim Wäscheaufhängen!
    Und der Weg war ganz anders, als ich es vorher so probiert hatte.

    Ja, Du hast Recht: Diese Fähigkeit lässt sich bestimmt auch gezielt nutzen, nicht erst im absoluten Notfall, wenn es anders gar nicht mehr geht. Entspannt ist es doch viel netter. 🙂
    Eine schöne Idee, danke dafür!

    • Silvia Chytil, M.Sc. 2. November 2017 at 14:23 - Reply

      Hallo,

      hahaha, ja das mit einmal drüber schlafen, funktioniert perfekt.

      Wie befreiend ist es doch zu wissen, dass wir nicht für alles verantwortlich ist. Sondern wir uns mit anderen Dingen beschäftigen können und unser Problem wird trotzdem gelöst :-).

      Alles Liebe
      Silvia

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