Die Würfel sind gefallen. Was Julius Caesar mit deinen Entscheidungen zu tun hat.

Entscheidungen silvia Chytil

Unser Leben besteht aus unzähligen Entscheidungen. Was ziehe ich in der Früh an? Mit welcher Tätigkeit beginne ich meinen Tag? Was esse ich zu Abend? Pro Tag treffen wir ungefähr 20.000 Entscheidungen und haben mindestens ebensoviele Alternativen. Die meisten davon haben keine große Auswirkungen auf uns. Einige jedoch sind richtungsentscheidend.  Und immer wieder bewahrheitet sich: Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Im Jahr 49 v.Chr. befand sich Julius Cäsar im Bürgerkrieg mit Gnaeus Pompeius Magnus. Pompeius und der römische Senat wollten Caesar entmachten und forderten ihn auf, nach Rom zu kommen und die Teile des Heeres, die ihm unterstellt waren, aufzulösen. Doch Caesar war damit nicht einverstanden. So entschloss er sich, von Gallien aus mit seinen Truppen nach Italien einzumarschieren um dort die Macht durch einen Feldzug erneut zu erlangen.

Zur damaligen Zeit gab es einen Grenzfluss, den man bewaffnet nicht überschreiten durfte. Am 10. Januar 49 v.Chr. überquerte Caesar genau diesen. Er hatte den Rubikon überquert, was gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung an Rom war. Und so kam es dann auch zwischen Cäsar und dem Römischen Staat zu einem Bürgerkrieg, den Caesar schließlich gewann.

Mit diesem Schritt hat Caesar Geschichte geschrieben. Es steht für unwiderrufliche Entscheidungen und die daraus entstehenden Konsequenzen. In dem Moment als Caesar den Rubikon durchquerte, gab es kein Zurück mehr. „Die Würfel sind gefallen.“

Entscheidungen treffen fällt schwer

Sich selbständig machen. Ein neues Produkt auf den Markt bringen. Eine neue Marketingaktion ins Leben rufen.

Große Entscheidung treffen, fällt uns schwer. Ebenso Dinge, die wir kontinuierlich angehen sollten: Buchhaltung erledigen, Sport betreiben, Ablage.

Aber warum fallen uns solche Entscheidungen so schwer?

Aus dem Fluss in Norditalien und Caesars Geschichte ist ein Motivations- und Entscheidungsmodell geworden. Der Psychologe Heinz Heckhausen hat daraus das Rubikon Modell entwickelt und in vier aufeinanderfolgenden Aufgaben unterteilt:

1. Abwäge-Phase

„Noch können wir zurück; wenn wir diese kleine Brücke überschreiten, wird alles mit Waffen auszutragen sein.“ Diese Worte soll Caesar gesprochen haben, bevor er den geschichtsträchtigen Schritt getan hat.

Er wägte alle Möglichkeiten ab. Setzte Nutzen, Erwartungen und auch Erreichbarkeit gegenüber.

Soll ich die blaue oder rote Hose anziehen? Soll ich mich komplett selbständig machen oder doch lieber einen Teilzeitjob annehmen? Soll ich einen Online-Kurs auf den Markt bringen oder lieber ein E-Book?

Im Normalfall schwirren tausende Gedanken in unserem Kopf herum. Schwanken hin und schwanken her und können uns nicht entscheiden. Das passiert uns bei kleinen Dingen genauso wie bei großen, folgenschweren Entscheidungen.

Wenn wir so nach vor und zurück, nach links und rechts pendeln, dann stecken wir ganz tief in dieser Abwäge-Phase drinnen.

Wir suchen unterschiedliche Handlungsalternativen und vergleichen sie miteinander und bewerten, wie bedeutsam das Erreichen der einzelnen Alternativen für uns ist. Wir überlegen, ob wir das schaffen können und ob es realistisch ist.

Hier befinden wir uns noch in einem Zustand, wo wir jederzeit zurückkönnen. Wo alles nur in unserem Kopf passiert, wir noch nichts getan haben, was irgendwelche Folgen für uns haben könnte.

Und irgendwann ….

Mal früher, mal später …

Manchmal auch gar nicht …

… treten wir über den Rubikon.

Dieser Moment, in dem wir uns entscheiden und von einer Alternative überzeugt sind, nennt man „Rubikon“. Wir wägen nicht mehr ab. Sondern jetzt kann es los gehen. Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft und stürzen uns in die nächste Phase.

2. Planungsphase

„Dorthin gehe es, wohin der Götter Zeichen und der Feinde Unrecht ruft. Geworfen ist der Würfel.“

In dieser Phase geht es darum, zu überlegen, wie wir unser Ziel erreichen können.

Was muss ich alles tun, um zum Beispiel ein E-Book zu schreiben. Benötige ich noch weitere Informationen? Wie viel Zeit muss ich einplanen? Benötige ich Unterstützung? Reichen meine finanziellen Reserven?

Wir sehen unser Ziel klar vor Augen und räumen alles aus dem Weg, was sich zwischen uns und unserem Wunsch steht. Wir verteidigen es vehement, sollte jemand unser Vorhaben bezweifeln. Wir tun alles, damit wir nicht wieder ins Schwanken geraten und wieder zurück an den Start müssen. Wir stellen unser Ziel nicht mehr in Frage.

Nachdem wir uns einen realistischen Plan zugelegt haben, geht es in die nächste Phase.

3. Handlungsphase

Jetzt geht es ans Tun. Bei Caesar war es der Marsch auf Rom. Bei uns wäre es das Tippen des Textes für unser E-Book.

Hier heißt es Durchhaltevermögen zeigen und sich stetig motivieren, um an der Sache dran zu blieben.

In die vierte Phase kommen wir, wenn wir unsere Idee umgesetzt und unser Ziel erreicht haben.

4. Bewertungsphase

In dieser Phase bewerten wir das Erreichte und den Weg dorthin. Ein Soll-Ist-Vergleich findet statt. Können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein? Worauf sind Erfolge oder Misserfolge zurück zu führen? Haben wir das Ziel wirklich erreicht?

Wir reflektieren Erreichtes und lernen für zukünftige Projekte.

Manchmal bleiben wir stecken

Vielleicht hast du beim Durchlesen der vier Phasen für dich schon entdeckt, in welcher du oftmals stecken bleibst. Und dadurch vielleicht deine Ideen nicht so umsetzt oder deine Ziele nicht so erreichst, wie du es dir oft wünschst.

Phase 1: Du meidest den Rubikon

Wir erkennen solche Menschen daran, dass sie fortwährend über verschiedenen Alternativen nachdenken. „Ja, ich würde ja gerne aber … hält mich davon ab.“ „Wenn … erledigt ist, dann … .“

Du hängst viel zu lange in der Abwäge-Schleife und ärgerst dich, dass du deine Ziele nicht erreichst. Weil du nicht aufhören kannst zu grübeln. Weil du ständig an deinen Entscheidungen zweifelst. Weil Einflüsterer dich häufig verunsichern. Und daher hast zwar tausend ganz wunderbare Ideen, aber anstatt auf dem Boden der Realität landen sie in der Schublade.

Folgende Fragen könnten dir dabei helfen, rascher eine Entscheidung zu treffen und dich festzulegen.

Tipp:

Wäge ab, was du verlierst, wenn du dich nicht entscheidest, und die Situation für immer so bleibt, wie sie gerade ist? Welche Chancen würden entstehen, wenn du dich entscheidest, was würdest du gewinnen? Welche Konsequenzen hätte eine Entscheidung in 5 Tagen, 5 Monaten, 5 Jahren?

Phase 2: Du planst und planst und planst und …

Bist du ein Planungs-Weltmeister? Du kannst dich zwar schnell entscheiden und dann meinst du das Planen wäre schon das Tun.

Du entwirfst einen Grobplan. Dann einen Detailplan. Eine Strategie und ein Konzept könnten auch nicht schaden. Und dann könnte noch etwas passieren. Ja, das muss auch noch schnell eingeplant werden. Wie wäre es noch mit einer Power-Point-Präsentation. Dann wäre es noch übersichtlicher.

Und so vergeht Tag um Tag. Woche um Woche. Und du bist noch immer am Planen.

Das viele Planen soll dir voraussichtlich dabei helfen, alle Eventualitäten abzufangen und nicht während des Tuns etwas ganz Entscheidendes vergessen zu haben. Und dann erst recht wieder zu scheitern.

Tipp:

Fokussiere dich auf den Anfang und auf das Ende. Was ist der erste Schritt und was ist das Endergebnis?

Und dann mach diesen ersten Schritt. Was ist der logische nächste? Dann mach diesen.

Und so hantle dich in kleinen Schritten deinem Ziel entgegen.

Wichtig ist nur, dass du ins TUN kommst!

Phase 3: Du wirst nicht fertig

Du hast dich entschieden. Du hast geplant und bist schon mitten im Handeln. Plötzlich merkst du, dass deine Motivation verloren geht. Das Feuer ist weg. Immer öfter sind andere Sachen wichtiger. Du merkst, dass du dein Ziel so nicht erreichen wirst.

Ja, das kann passieren.

Dann heißt es leider: Zurück an den Start!

Tipp:

Wenn du in der Umsetz-Phase nicht weiterkommst, dann schau dir nochmals deine Motivation an. Steige zurück zur Phase 1 und wäge ab, ob es überhaupt noch wichtig ist, dieses Ziel zu erreichen. Vielleicht hat es an Wert verloren und etwas Anderes zu erreichen, erscheint dir lohnender.

Von der Vision zur Realität ist es oft ein weiter Weg. Wir durchlaufen unterschiedliche Phasen, in denen unser Fokus immer auf etwas anderes gelegt ist. Manchmal kann es passieren, dass wir in einer Phase unbewusst stecken bleiben und uns am Ende wundern, warum wir unser angestrebtes Ziel nicht erreicht haben.

Vielleicht hilft dir das Rubikon-Modell dich selbst besser zu erkennen und Auswege zu finden, um deine Ziele, die dir jetzt gerade am Wichtigsten sind, doch zu erreichen.

Viel Erfolg bei all deinen Ideen!

Silvia

P.S. Hast du dich wieder erkannt? In welcher Phase bleibst du oft stecken? Fällt es dir leicht den Rubikon zu überqueren? Hinterlasse mir einen Kommentar, ich bin neugierig :-).

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2017-03-11T19:55:29+00:00

3 Comments

  1. Christiane Köppl 4. Mai 2016 at 9:26 - Reply

    Liebe Silvia, ich steck momentan darin, welche Menschen ich kontaktieren soll und ich hab den ersten Schritt deswegen noch nicht getan, weil ich auf den spürbar richtigen Moment warte. Irgendwie ist der noch nicht so ganz synchron,

    • Silvia Chytil, M.Sc. 4. Mai 2016 at 22:42 - Reply

      Liebe Christiane,

      eine neue Situation spürt sich oft nicht gut für uns an, auch wenn sie eigentlich richtig ist. Weil sie viele Unsicherheiten in sich trägt und wir vielleicht auch noch keine Erfahrungen damit haben.

      Beginne mal mit irgendeinem kleinen Schritt. Einfach damit du ins Tun kommst. Und dann kleine Schritte weiter.

      Liebe Grüße
      Silvia

  2. […] diesem Grund verschieben wir notwendige Entscheidungen oft so lange, bis das Leiden in unserer alten Situation so unerträglich geworden ist und uns nur […]

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