A Little Peace of Mind – So befreist du dich von Frust und Stress

Im Alltag einen klaren Kopf zu bewahren, ist gar nicht so einfach. Immer wieder passieren Dinge oder wir begegnen Menschen, die uns ein unangenehmes Gefühl bereiten. Das führt unweigerlich zu Frust, Druck und Stress.

Wenn das bei dir auch so ist, dann unterliegst du wahrscheinlich einem großen Missverständnis. Welches das ist und wie du in Zukunft öfter „A little peace of mind“ verspürst, zeige ich dir hier:

Als ich vor vielen Jahren ins Berufsleben einstieg, war für mich eines klar: Ich bin schlecht im Reden vor Menschen. Woher diese Überzeugung kam, weiß ich gar nicht mehr genau, aber schon bei mündlichen Prüfungen in der Schule fühlte ich mich unwohl. Sehr schnell lernte ich 2 Regeln: Wenn du sehr, sehr gut vorbereitet bist, dann kannst du vor einer Gruppe reden. Aber Stegreif, aus dem Bauch heraus, locker und witzig – das geht gar nicht.

Dieser Glaube zog sich als roter Faden sehr lange durch mein Leben. Sowohl beruflich als auch privat. Mit einer Person oder vielleicht mit zwei reden: Kein Problem. Aber Gruppen: Nein danke!

Als ich mich als Coach und Trainerin selbständig machte hing ich noch weiter an diesem Glauben fest.  Das änderte sich auch nicht, als ich die Möglichkeit bekam, ein monatliches Seminar vor zehn bis 15 Personen zu halten.

Wie ich es für mich gelernt hatte, bereitete ich mich vor dem ersten Seminar akribisch vor. Ich investierte beinahe drei Wochen für die Aufbereitung der Seminarunterlagen und–inhalte. Wobei der gesamte Workshop nur einen Tag dauerte. Egal – ich musste perfekt vorbereitet sein.

Nach dem ersten Mal war ich zwar überrascht, dass es eigentlich gut lief, trotzdem war ich mir sicher, dass ich dem ganzen Spuk sehr bald ein Ende setzen werde. Oder mir ein Ende gesetzt wird, da ich ja schlecht vor Gruppen bin.

Mittlerweile halte ich diese Seminare seit über drei Jahren. Nicht nur, dass die Teilnehmer so begeistert sind, dass sie den Workshop weiterempfehlen oder bei mir ein persönliches Coaching buchen. Nein, ich habe wirklich Spaß dabei und freue mich jedes Mal schon auf das nächste.

Wobei sich diese Wandlung erst im letzten Jahr ergeben hat. In den ersten zwei Jahren hatte ich sehr viele unangenehme Situationen und TeilnehmerInnen in meinem Kurs. Und oft sagte ich zu meinem Mann: Das war aber jetzt wirklich das allerletzte Mal. Ich wollte mich einfach nicht mehr diesem Stress ausliefern und mich schlecht fühlen.

Was also ist im letzten Jahr passiert, dass sich mein Angst-Szenario in ein Lieblings-Setting verwandelt hat? Haben sich die TeilnehmerInnen verändert? Haben sich äußere Umstände geändert?

Nein! Ich habe etwas erkannt: Nämlich, dass andere Menschen und äußere Umstände keinerlei Einfluss darauf haben, wie ich mich fühle.

„Wie jetzt?“ fragst du vielleicht erbost. Was bitte soll das heißen, dass andere Menschen und Umstände nichts damit zu tun haben, wie ich mich fühle. Natürlich geht es mir schlecht, wenn jemand etwas Negatives sagt. Oder etwas Schlimmes passiert. Wie soll das nichts mit der Außenwelt zu tun haben?

Das Große Missverständnis

Ich weiß, dass diese Vorstellung komplett konträr zu dem ist, was wir gelernt haben. Wir haben gelernt, dass wir gute Noten bringen müssen, damit wir ok sind. Dass wir uns nach Vorschriften halten müssen, damit wir gemocht oder gar geliebt werden. Wir wurden in dem Glauben erzogen, dass wir perfekt sein müssen, um irgendwas zu gelten. Und natürlich fühlen wir uns nur wohl, wenn wir auch das Gefühl bekamen, geliebt, anerkannt, gemocht zu werden. Passten wir nämlich nicht ins Bild unserer Eltern, Lehrer, Vorgesetzten bekamen wir das schnell zu spüren. Wir wurden bestraft, mussten nachsitzen oder bekamen Ärger im Job.

Was den Eindruck hinterließ, dass wir uns nur gut fühlen, wenn andere Menschen positiv auf uns reagieren oder wir Dinge besitzen, die uns ein gutes Gefühl schenken. Also mehr Anerkennung, mehr Liebe, mehr Geld. Bekommen oder haben wir das nicht, dann fühlen wir uns schlecht.

Niemand will negative Gefühle. Das ist klar. Also was tun wir? Wir versuchen alles, um negative Erlebnisse zu vermeiden. Wir treten nicht vor großen Gruppen auf, damit wir nicht mit der Angst zu kämpfen haben. Wir trennen uns von Jobs oder Beziehungen, die ein unangenehmes Gefühl bei uns auslösen. Oder wir buchen einen Wellness-Urlaub, damit wir uns schön und ausgeglichen fühlen.

Was aber, wenn es nicht der Auftrag war, der uns in eine Hochstimmung versetzt? Was, wenn es nicht der Kontostand ist, der uns in Sicherheit wiegt.

Und was, wenn nie die Gruppe dafür verantwortlich war, dass ich mich schlecht fühlte? Sondern einzig und alleine, wie ich darüber dachte?

Wir fühlen unsere Gedanken im Moment

In den ersten beiden Jahren hatte ich immer wieder TeilnehmerInnen, die schwierig waren. Entweder störten sie mit lästigen Zwischenfragen. Oder sie tratschten die ganze Zeit. Oder sie arbeiteten nicht mit.

Komischerweise habe ich seit einem Jahr keine mühsamen Seminar-Besucher mehr.

Wie kommt das? Plötzlich keine Zwischenfragen mehr? Niemand tratscht mehr? Alle arbeiten mit?

Nein, natürlich nicht. Das alles kommt weiterhin vor.

Der einzige Unterschied heute ist, dass ich nicht mehr die Gruppe als Störenfried sehe. Den einzigen Störenfried, den es gibt, sitzt nicht da draußen irgendwo, sondern in mir.

Und zwar in jedem einzelnen Moment sind es die Gedanken, die mich gut oder schlecht fühlen lassen. Denke ich mir, dass die Zwischenfrage lästig ist – fühle ich mich schlecht und in die Enge getrieben. Lasse ich die Frage einfach als Frage stehen – ohne zusätzlichen Gedankenmüll – bringt sie mich auch nicht aus der Fassung.

A little peace of mind

Wenn wir davon ausgehen, dass andere Personen oder äußere Umstände für unser Wohlbefinden verantwortlich sind, müssen wir natürlich alles versuchen, diese im Griff zu haben. Da haben wir ziemlich viel zu tun. Denn wie schaffen wir das?

Zumeist machen wir uns davor schon sehr viele Gedanken, wie wir stressige Situationen entweder ausweichen oder sie managen können.

Passiert dann doch etwas Unangenehmes, haben wir alle Hände voll zu tun, um das Schreckgespenst wieder loszuwerden. Meistens reagieren wir unwirsch, genervt oder aggressiv. Oder ziehen uns zurück. Keine dieser Alternativen macht sich natürlich gut in einem Seminar mit 15 Teilnehmern.

Erkennen wir jedoch, dass Nichts und Niemand jemals ein schlechtes (und auch kein gutes) Gefühl bei uns auslösen kann, dann brauchen wir uns davor auch nicht schützen.

Wir verlieren uns nicht mehr in Gedankenschleifen und Grübeleien, sondern können aus einem ruhigen Zustand heraus reagieren. Wir erlangen einen ruhigen Geist. A little peace of mind.

Aus diesem Zustand heraus, können wir ruhig und gelassen reagieren. Wir können auf unser Gegenüber eingehen.

Früher, wenn eine Person meinen Vortrag „störte“, reagierte ich meist unwirsch und nervös. Hatte das Gefühl, sie mag nicht, was ich sage. Oder ich langweile sie. Oder sie wollte mich absichtlich stören. Natürlich kannst du dir vorstellen, welchen Rattenschwanz an Gedanken so eine Vorstellung bei mir auslöste.

Heute muss ich wirklich darüber lachen, wenn ich daran denke.

Was mache ich heute? Heute gehe ich weg von mir. Ich denke nicht darüber nach, wie ich mich gerade fühle, sondern überlege mir, warum diese Person so reagiert. Wollte sie dem Nachbarn nur kurz etwas sagen? Braucht die Gruppe eine Pause? Sollte ich eine Übung zur Auflockerung machen?

Gelingt es die Gedanken weg von uns (wir als Opfer) hin zur Gruppe oder unserem Gegenüber zu lenken, fühlen wir uns der Situation nicht mehr hilflos ausgeliefert. Wir empfinden keinen Stress mehr, sondern können ganz ruhig auf die Bedürfnisse der Beteiligten eingehen.

Natürlich ärgern wir uns auch weiterhin, werden wütend oder verspüren Angst. Das gehört zum Leben dazu. Aber wir kommen viel schneller wieder in einen gelasseneren Zustand und müssen es nicht an anderen Personenoder uns auslassen.

Wir erleben viel weniger Frust und Stress, wir lassen uns nicht mehr unter Druck setzen. Wir treten aus der Opferrolle heraus und bestimmen selbst, welchen Weg wir einschlagen wollen.

Und wir trauen uns mehr zu. Denn wenn wir nicht mehr davon abhängig sind, ob andere das mögen, was wir tun oder nicht, ja, … dann steht uns eigentlich die ganze Welt offen.

Hören wir mit dem Denken auf, schieben es zur Seite, dann können wir diesen tiefen inneren Frieden spüren. Die Ruhe und die Leichtigkeit. Es funktioniert nicht, wenn wir in unseren Gedanken versunken sind und uns von ihnen hetzen und stressen lassen. Sondern nur, wenn wir uns von diesem dauernden Denken befreien und uns unserer inneren Stärke bewusst werden und wirklich wahrnehmen, was rund um uns passiert.

Was wäre, wenn …

Die Vorstellung, dass andere Personen oder irgendwelche Dinge, Situationen, Umstände nichts mit uns machen und sie nicht für unser Wohlbefinden verantwortlich sind, mag am Anfang eigenartig erscheinen.

Aber stelle dir nur mal vor, es wäre tatsächlich so.

Was würde sich für dich oder in deinem Leben ändern?

Welche konkrete Situation würde dann keinen oder weniger Stress oder Frust bei dir auslösen?

Was würdest du tun oder auch nicht mehr tun?

Hinterlasse einen Kommentar, ich bin gespannt, was sich bei dir ändern würde, wenn äußere Umstände oder andere Menschen nicht mehr so viel Auswirkung auf dein Gefühlsleben haben.

Alles Liebe 💛

Silvia

2017-12-06T08:22:07+00:00

2 Comments

  1. Peter 6. Dezember 2017 at 15:45 - Reply

    Vielen Dank, Silvia für diesen wunderbaren Artikel.
    Bei diesem Thema fällt mir immer die Szene ein, die Steven Covey in seinen Buch schildert „7 Wege zu Effektivität“. Er schildert, wie sich Mitreisende in einem Zug über das Verhalten eines Vaters und seiner Kinder ärgern und wie sich der Ärger wandelt, nachdem klar wird, was die Familie gerade durchmacht.
    In einem Artikel habe ich auch diesen Umgang mit Gefühlen beleuchtet (die Story von Covey ist dort auch nachzulesen 😉 ).

    Weil dieser Artikel so hervorragend passt, erlaube ich mir, ihn hier zu verlinken (und hoffe, Du erlaubst es auch 🙂 )
    http://linke-wange.de/emotionen-verwandeln/

    Vielen Dank und liebe Grüße, Peter

    • Silvia Chytil, M.Sc. 6. Dezember 2017 at 17:12 - Reply

      Lieber Peter,

      oh ja, diese Geschichte kenne ich. Es ist wirklich so faszinierend, dass wir die „Tricks“ unseres Gehirnes so schwer durchschauen. Aber vielleicht gelingt es uns immer öfter ;-).

      Danke vielmals fürs teilen, freue mich sehr darüber.

      Alles Liebe 💛
      Silvia

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