Aufgeben oder nicht? Das ist hier die Frage. (Teil 2)

Aufgeben oder nicht? Silvia Chytil

Allzu oft stehen wir vor der brenzligen Frage: Aufgeben oder nicht? Durchbeißen oder alles hinschmeißen? Ein Ziel nur ja nicht aus den Augen verlieren oder doch lieber einen anderen Weg einschlagen? Hier die richtige Entscheidung zu treffen, ist gar nicht so einfach. Deshalb zeige ich dir heute drei Wege, die dich bei deiner Entscheidungsfindung unterstützen.

Im ersten Teil habe ich dir gezeigt, dass wir im Normalfall in einer der drei Kurven stehen, wenn es darum geht, ob wir aufgeben sollen oder dranbleiben. Denn es geht nicht darum, ob du alles hinschmeißt oder nicht? Sondern darum, WANN du aufgibst und aus welchem Grund.

Nochmals, zur Erinnerung, die drei Kurven:

  1. Sackgasse – führt ins Nichts
  2. Abgrund – es geht nur noch bergab
  3. Tal – tut grad ziemlich weh, aber irgendwann geht es wieder steil hinauf

Ich bin mir ganz sicher du hast schon oft genug Situationen erlebt, bei denen du einfach nicht weißt, was wirklich die sinnvollste Entscheidung ist.

Deshalb möchte ich dir im heutigen, zweiten Teil, drei Entscheidungshilfen für die Zukunft geben.

 1. Stehst du vor dem Abgrund oder in einer Sackgasse?

Der erste und sehr entscheidende Punkt ist, zu erkennen, in welcher Kurve du dich überhaupt befindest.

Es kann sein, dass du dich jetzt fragst – ja, und wie erkenne ich das denn?

Zumeist weißt du das ganz genau, wenn du in dich hinein hörst und spürst.

Dein Bauchgefühl sagt dir ganz klar, in welcher Kurve du dich gerade befindest. Oft schieben wir aber dieses Gefühl bei Seite und stellen unsere Ratio an, die uns suggeriert, dass wir nur ja nicht aufgeben sollen.  Kämpfen, kämpfen, kämpfen.

Sackgasse

Befindest du dich in der Sackgasse, dann gibt es zwar einen alternativen Weg, den du einschlagen könntest, der dir vielleicht auch besser gefallen würde, als der, auf dem du dich gerade befindest.

Aber, ….

… keine Zeit,
… kein Geld,
… kann ich nicht
und so weiter. Du kennst sicher noch ganz viele „Ja, aber“ Gründe, warum etwas nicht geht.

Die Sackgasse ist unsere Komfortzone. Zur Beruhigung kommen dann noch so Sätze wie „Na, so schlimm ist es gar nicht.“ Oder „Naja ich würde schon gerne was ändern, aber vermutlich bin ich nicht dafür geschaffen.“ „Ich würde ja gerne, aber ich weiß nicht wie oder was.“

Wir geben auf. Akzeptieren einen „eh nicht so schlechten Zustand“ anstatt einen ungewissen und vielleicht manchmal auch steinigen, neuen, Weg einzuschlagen.

Abgrund

Steuern wir auf den Abgrund zu, dann befinden wir uns manchmal in einer Schockstarre. Wir sehen ihn, wir können ihn fühlen – und doch sind wir unfähig einen Schritt zurück zu machen und die Richtung zu ändern. Weil wir glauben, wenn wir nur das Steuer ganz fest in Händen halten, dann können wir es noch herumreißen. Das ist aber zumeist nicht der Fall.

Solche Situationen können ein Burn Out oder Zusteuern auf den finanziellen Ruin sein.

Tipp:

Stehst du an einer dieser beiden Kurven, dann überlege dir nicht, wie du noch länger durchhalten kannst. Sondern einzig und alleine, wie du dort rauskommst.

Die Lösung ist nicht immer auf den ersten Blick sichtbar und manchmal dauert es lange, bis du wirklich aus der Situation rauskommst. Egal – wichtig ist nur, dass du erkennst, dass weitergehen keine Alternative ist.

Wenn du das Gefühl hast, dass du alleine aus dieser Lage nicht herauskommst, dann hol dir bitte unbedingt Unterstützung.

2. Ist aufgeben nur eine kurzfristige Erleichterung?

Jetzt gehen wir davon aus, dir ist klar, dass du dich in einem Tal befindest, aber dort ist es so richtig übel. Es fühlt sich fürchterlich an. Es tut weh. Du zweifelst, bist verunsichert, weißt gar nicht, was du tun sollst.

Aufgeben, diesen Schmerz los werden – ja, das wäre jetzt wirklich eine Entlastung.

Aber – wenn du jetzt aufgibst, kommt das nicht eher einer kurzfristigen Erleichterung gleich? Anstatt auf Dauer eine Lösung zu sein?

Auf lange Sicht gesehen, gibst du damit nämlich all deine Träume auf und gewinnst gar nichts. Im Gegenteil. Du verlierst alles, wofür du bisher gearbeitet hast.

Die meisten Menschen geben eigenartiger Weise in einem Tal auf. Oder vielleicht auch verständlicher Weise. Denn dort im Tal tut es ordentlich weh. Aufgeben hingegen wäre ein wahres Heilmittel. Manchmal sind wir enttäuscht, weil die ganzen Anstrengungen, die wir schon auf uns genommen haben, einfach keine Früchte tragen mag. Wir übersehen aber, dass sie nur „noch“ keine Früchte getragen haben.

Sehr oft wird dieser Schmerz auch Wachstumsschmerz genannt. Fast immer kommen wir gestärkt und auf einer höheren Ebene wieder heraus.

Sprüche wie, „lass es dir gut gehen“ und, „Lebe dein Life-Style-Business“ sind zwar tolle Sprüche und auch die 4-Stunden-Woche sind heiße Anreize.

Wenn du aber eine langfristige Strategie entwickelt hast, mit der du ein langfristiges Ziel erreichen möchtest, dann wird so ein Tal immer wieder auftauchen. Und durch das musst du durch.

Tipp:

Befindest du dich in einem Tal, in einem ganz üblen, tiefen, finsteren Tal, dann ist am besten, du gewinnst zuerst mal ein wenig Distanz. Verschaffe dir eine kleine Erleichterung, indem du dich mit anderen Dingen beschäftigst und dich nicht ständig damit quälst, was du denn jetzt tun solltest. Mach dir bewusst, WARUM du die Anstrengungen auf dich nimmst und was du alles gewinnst, wenn du jetzt durchhältst.

Nach einer gewissen Zeit geht der Schmerz weg und du siehst wieder klarer, wohin dich deine Reise führt.

3. Ist die Strategie oder die Taktik falsch?

Die letzte Möglichkeit ist, dass du eine langfristige Strategie vor Augen hast und du glasklar siehst, wohin du gehen möchtest. Du möchtest ein Business aufbauen, deinen Umsatz erhöhen, eine langfristige Beziehung eingehen. Was auch immer.

Du kämpfst dich auch tapfer durch alle Hindernisse, gibst nicht auf, stehst immer wieder auf.  Und trotzdem – du kommst deinem Ziel nur sehr zögerlich näher.

Aber was tun, wenn der Plan nicht aufgeht? Vielleicht doch aufgeben?

Nein! Niemals!

Denn deine Strategie ist die Richtige. Aber vermutlich ist die Taktik die Falsche. Und die kannst du getrost über Bord werfen.

Deine Strategie ist dein Was. Die Taktik dein Wie.

Bevor du also überlegst, ob du dein Ziel aufgeben sollst, überlege dir besser, ob der eingeschlagene Weg dich zu deinem Ziel führt.

Wir halten oft an einer Vorgehensweise fest, von der wir meinen, sie sei die Einzige, die uns an unser Ziel führt. Vielleicht, weil wir von überall hören, dass wir es so tun müssten. Oder uns im Moment keine Alternative einfällt. Oder weil wir es immer schon so gemacht haben.

Nur bringt uns die eingeschlagene Taktik keine Ernte, sondern nur Frust und Ärger.

Tipp:

Solltest du dich an einem Punkt befinden, an dem du an deinem Ziel zweifelst, nicht, weil es das Falsche ist, sondern weil du immer wieder an der Bewältigung der Hindernisse scheiterst, dann überlege dir alternative Wege. Wie könntest du noch dein Ziel erreichen? Wie machen es Andere? Wen kannst du um Hilfe bitten?

Wichtig ist, dass du erkennst, dass dein Berggipfel der Richtige ist, du nur einen Weg eingeschlagen hast, der dich dort nicht hinbringt.

Fazit: Aufgeben ist eine intelligente Strategie

Wenn du weißt, wann du sie einsetzen sollst.

Zu erkennen, ob du dich nur in einer kurzfristigen Panikattacke befindest oder aber jeder weitere Schritt dich nur noch mehr Zeit, Energie und Geld kosten würde, unterscheidet Erfolg von Misserfolg. Das nächste Mal also, wen jemand zu dir sagt „Stell dich nicht so an, aufgeben ist nur etwas für Schwächlinge.“ lass die Person reden und achte nicht weiter auf sie.

Denn in Zukunft hast du eine klare Entscheidungshilfe, mit der du erkennst, ob es sich lohnt dranzubleiben oder ob du so schnell wie möglich das Weite suchen solltest.

Teil 1: Never Give Up? Warum dranbleiben nicht immer die klügste Entscheidung ist.

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2017-03-11T19:55:25+00:00

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