Pause: Warum wir nicht verzichten sollten

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Es klingt paradox: Wer sich unter Stress und Zeitdruck bewusst mehr Zeit für die einzelnen Tätigkeiten nimmt und öfters Pause macht, kann mehr erledigen und erzielt bessere Ergebnisse. Multitasking ist out und nachgewiesen ineffizient. Unser Gehirn ist wesentlich leistungsfähiger, wenn wir ruhig, konzentriert und erholt sind.

Wenn du es eilig hast, gehe langsam.

Dieses Zitat von Lothar M. Seiwert ist ein Klassiker. (Das japanische Originalzitat heißt übrigens: Wenn du es eilig hast, mache einen Umweg.)

Unser Hund Akiro, ein sehr lebhaftes Geschöpf, hat drei Hobbies: Essen, spielen und schlafen. Gut, er muss für seinen Lebensunterhalt nicht selbst aufkommen. Obwohl ich glaube, das sieht er als einen ganz besonderen Nachteil.

Wenn wir mit ihn unterwegs sind, zumeist ein bis zwei Stunden, ist er höchst aktiv. Nase hier hin und Nase dort hin, dazwischen wird mit anderen Hunden gespielt und dann wieder eifrig geschnüffelt. Für ihn ist das harte Arbeit. Nach diesen Spaziergängen (für ihn Arbeit) ist er total geschafft und sein einziger Weg geht Richtung Ruheplatz. Von dort bewegt er sich die nächsten zwei bis drei Stunden nicht mehr weg. Da wird erstmal ausgiebig Pause gemacht.

Im Sport ist Pause Pflicht

Unter Sportlern ist es mittlerweile Pflicht, sich in regelmäßigen Abständen Ruhe zu gönnen. Während des Trainings greift der Körper auf alle seine Ressourcen zu und baut Substanzen ab. Im Ruhezustand dominieren hingegen die Aufbauprozesse. Ermüdete Muskel können sich erholen, Energiezellen kraftvolle Substanzen produzieren.

Wir glauben, dass der Körper in dieser Zeit Pause macht. Richtig ist, dass der Körper sehr aktiv ist und sich regeneriert. Sportler, die ihrem Körper diese Ruhephase nicht gönnen, stehen unter großer Verletzungsgefahr und verhindern eine Leistungssteigerung.
Es scheint sogar so, dass eine größere Pause dem Körper und dem Geist hilft, einen wirklichen Erneuerungsprozess zu durchlaufen. Viele Sportler berichten nach einer Trainingspause, dass sie entgegen Ihren Befürchtungen sogar eine Leistungssteigerung erfuhren.
In Unternehmen ist es zumeist nicht möglich, zwischendurch die Beine hoch zu lagern.  Obwohl wir alle wissen, dass wir schon nach einer kurzen Auszeit wieder erholt und frisch ans Werk gehen und uns die Arbeit für eine Weile viel leichter von der Hand geht.
Es gibt nur wenige Berufe, in denen die Pause Pflicht ist. Das ist der Fall zum Beispiel bei den Fluglotsen, die nach höchstens zwei Stunden abgelöst werden. Aber auch Croupiers sitzen nicht lange am Spieltisch.

Siesta – Die Mittagspause

Das Thema „Siesta“ in Unternehmen wird immer wieder diskutiert. Im Jahr 2011 wurde dieser Vorschlag sogar von den deutschen Krankenkassen kräftig unterstützt. Die Vorteile liegen auf der Hand. Statt ins Suppenkoma zu fallen, gönnen wir dem Körper eine kurze, schöpferische Pause. Danach geht es ausgeruhter in die nächste Runde.

In den meisten Berufen gibt es diese angeordnete Pause allerdings nicht. Wir sind selbst dafür verantwortlich, unserem Geist und Körper ausreichend Ruhe zu verschaffen.
Warum aber ist die Pause so verpönt? Warum ist es nicht selbstverständlich, dass nach Anstrengung auch die Pause notwendig ist? Warum wird sie nicht anerkannt und gefördert?
Von Kindesbeinen haben wir gehört, dass Leistung so ungeheuer wichtig ist. Saßen wir als Kind irgendwo und schauten nur in die Luft kam ein Elternteil und fragte, ob wir denn nichts zu tun hätten. Schon von klein auf wurden wir dazu getrimmt, dass untätig herum sitzen keinen Erfolg bringt. Es ist Zeitverschwendung und bringt uns nicht weiter.
Jemand der sich im Büro kurz ausruht, gilt aus faul, unproduktiv und unkollegial.
Laut einer Umfrage des Job-Portals Monster.de schaffen es 40 Prozent der deutschen Arbeitnehmer nicht, ihre Pausen einzuhalten. Teilweise, weil der Arbeitsalltag schlichtweg keine Auszeiten zulässt. Entweder drängelt der Chef oder die nächsten Kunden warten auf die Bedienung.
Kein Wunder, dass wir uns nur noch auf den Feierabend, das Wochenende, Urlaub oder gar Pension freuen.
Was wäre aber, wenn wir regelmäßiger Pausen einhalten würden? Ganz bewusst und voll akzeptiert. Der Körper und bei den meisten von uns der Geist, weil Bürotätigkeiten und weniger körperliche Arbeiten, könnten sich zwischen den Tätigkeiten regenerieren und voller Schwung in die nächste Runde gehen. Und wir müssten nicht sehnsüchtig das Wochenende herbei sehnen, wo wir uns endlich ausruhen können. Oder vor Erschöpfung die erste Urlaubswoche komplett durchschlafen.
Gelingt es während des Arbeitstages nicht, ist es umso wichtiger am Abend den Müßiggang zu frönen.
Allerdings muss ja dann noch Sport betrieben, Freunde getroffen, eingekauft, gekocht, Nachrichten geschaut werden. Und vieles vieles mehr.

Wann kommen wir zur Ruhe?

Am Wochenende? Nein geht auch nicht, Opas runder Geburtstag steht am Programm und am Sonntag wollten wir doch endlich mit dem Auto auf den Berg fahren.

Vielleicht im Urlaub? Im 4-Sterne Cluburlaub, wo wir um sechs Uhr aufstehen müssen, um die Liegen am Pool zu reservieren. Dafür gibt’s dann am Strand ein Nickerchen.  Zwischen 1000 anderen Touristen.
Oder vielleicht verschieben wir die Ruhe doch einfach in die Pension…
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Wenn ich an einem Konzept, Artikel oder einem Buch schreibe, gibt es bei mir mittlerweile ein eingefahrenes Ritual. Ich drehe mir inspirierende Musik auf und schalte Telefon und Mailbox aus. Das wichtigste aber ist, dass ich mir einen Wecker auf 60 Minuten stelle. Nach diesen 60 Minuten mache ich Pause. Manchmal nur ganz kurz, manchmal auch länger.
Gerade wenn wir kreative und hochgeistige Arbeiten erledigen benötigen wir die Pause. Sie werden es sicher kennen. Nach einer längeren Anstrengung werden Sie müde und können sich nicht mehr konzentrieren. Wenn Sie solange warten, bis Sie Ihre Müdigkeit spüren, ist es eigentlich schon zu spät. Der Körper und Geist befindet sich bereits in einem Stress- und Erschöpfungszustand.
Besser ist es, sich anzugewöhnen rechtzeitig eine kurze Pause einzuplanen. Bevor Sie bemerken, dass Sie müde sind.

So erkennen Sie, dass Sie dringend eine Auszeit benötigen:

  • Sie sind leicht gereizt
  • Sie können Sich nicht konzentrieren
  • Sie sind nicht motiviert
  • Sie sind sehr müde
  • Sie machen Fehler

So machen Sie richtig Pause

 

  • Schnappen Sie frische Luft. Einer der besten Wege, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, ist frische Luft. Sie sitzen seit Stunden in Ihrem Büro und kriegen von der Außenwelt kaum etwas mit. Gehen Sie raus, genießen Sie das (hoffentlich schöne) Wetter und atmen Sie einfach ein paar Mal tief durch.
  • Bewegen Sie sich. Stehen Sie auf, schütteln Sie die Beine aus oder strecken Sie die Arme in die Luft. Solch kleine Übungen reichen bereits aus, um die Muskeln zu revitalisieren und dir Durchblutung anzukurbeln – auch im Oberstübchen. Studien haben gezeigt, dass fünf Minuten ausgiebiges Strecken bis zu eine Stunde Schlaf ersetzen kann.
  • Schalten Sie ab. Die oberste Regel in Ihrer Pause: Machen Sie nichts nebenbei! Keine E-Mails lesen, nicht noch kurz die Unterlagen wegräumen oder schnell ein Telefonat führen. In Ihrer Pause haben Sie nur eins zu tun: Pause machen!

Auf den Kontrast kommt es an

Das Erfolgsrezept zum richtigen Durchschnaufen heißt »Kontrastprogramm«. Wer viel am Computer arbeitet, sollte in seiner Auszeit auf keinen Bildschirm starren. Wer den ganzen Tag allein vor dem Maschinenpult verbringt, sollte sich in der Erholungsphase Gesellschaft gönnen. Im Kontrast liegt die Erholung.

Weiterführende Informationen: Hirnforschung: Pause macht produktiv

2017-03-11T20:06:30+00:00

One Comment

  1. […] wissen es längst. Ohne Pausen keine Leistung. Für geistige Arbeit gilt dasselbe. Wir können nur fokussiert und produktiv […]

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